FINS Im Interview – Moderner Synthiepop Mit 80er Jahre Charme

Letzte Woche habe ich die Gelegenheit bekommen FINS im Interview zu befragen. Zurzeit befindet sich die Band auf Deutschlandtour und stellt dabei ihr erstes gemeinsames Studio Album DREAMER vor. Das alles klingt irgendwie nach Debüt Album und Newcomer Band. Doch wer sich etwas näher mit der Gruppe beschäftigt, der wird schnell merken, dass hier Profis am Werk sind und keine blutjungen Indie Popper. Andi Fins ist Motor und Kopf der Band. Bei einem gemeinsamen Bier in Berlin Friedrichshain stand er mir Rede und Antwort zum neuen Album und seiner Entstehungsgeschichte.

Kurz vor Weihnachten habe ich bereits einen kleinen Bericht zum kostenlosen Download der neuen Single DREAMER veröffentlicht. Letzte Woche war es dann endlich so weit. Ich treffe Andi Fins zum ersten Mal und bin gleich positiv überrascht von seiner angenehm lockeren Art. Er war den ganzen Tag unterwegs auf verschiedenen Promotion Terminen um den Verkauf für das neue Album weiter voranzutreiben. Es freut mich, dass er trotz der Termin Flut Zeit für hoers.de gefunden hat.

Ich möchte von Andi zunächst erfahren, wie es ihn zur Musik trieb und letztendlich nach Berlin. Wie ich nachlesen konnte, ist Andi vor 13 Jahren in die Hauptstadt gezogen, um sich musikalisch zu verwirklichen. Im Interview erzählt er mir dann, dass er zunächst in Weimar Musik studiert hat und aufgrund des mangelnden Angebots letztendlich, wie fast alle seine Studienkollegen, in die große Stadt gepilgert ist, um sein Glück zu versuchen. Wie es so oft ist, der Erfolg stellt sich nicht automatisch von alleine ein. Man muss sich als Musiker beweisen, und bis dahin von vielen kleinen Jobs das nötige Kleingeld zum Überleben hinzuverdienen. So erging es auch Andi, der, einmal angekommen in Berlin, zu Beginn als Klavierlehrer, im Musiktheater oder auf dem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat.

Ohne Vitamin B geht es auch bei Andi Fins nicht. Er kannte damals schon Tim Neuhaus, der ebenfalls in Weimar studiert hatte. Neuhaus trieb sich schon länger in Berlin herum und hatte bereits eine Band gegründet von der Andi ein Teil werden sollte. Von da an ist für ihn viel passiert. Es hat ihn, wie er selbst sagt, in gewisser Weise auf den richtigen Weg gebracht und ihn darin bestätigt seinen Weg in Berlin weiter zu führen.

Vor dem Interview hatte ich mir das Album genauer angehört und zunächst den Eindruck bekommen, dass es sich hier um ein stark autobiografisches Album handelt. Ich frage Andi, ob er sich als Dreh- und Angelpunkt der Band sieht und ob eher er im Vordergrund steht oder doch die Band im Kollektiv.  Andis Antwort darauf ist eindeutig, außerdem gibt er zugleich einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Band:

“ Ich sehe mich nicht als Solo Act innerhalb der Band. Wir haben in dieser Konstellation bereits zusammengespielt, nur das es damals keine richtige Band war. Die anderen Jungs haben mich damals schon bei meinem ersten Soloprojekt unterstützt. Als ich sie darum gebeten habe mit mir ein kleines Release Konzert zu spielen, haben wir bei den Proben dazu gemerkt, dass es sofort Klick gemacht hat und sich gut angefühlt hat. Wir haben dann direkt weitere Songs geschrieben und beschlossen gemeinsam weiterzumachen und neue Songs zu schreiben. Diese Songs sind jetzt auf dem neuen Album Dreamer zu finden. Sagen wir es mal so, ich bin in einer gewissen Art der Motor der Band, der alles ein wenig antreibt und neue Songs einbringt, aber letztendlich hat jeder seinen Teil dazu beigetragen. Jeder Einzelne von uns hat seinen eigenen Sound und bringt diesen in die Band ein. Mir ist das sehr wichtig, denn nur so ensteht der Sound, den wir jetzt haben. Jeder hat seinen Freiraum. Natürlich bin ich es irgendwo, der das letzte Wort hat, aber letztendlich klingen wir so, weil jeder seinen Teil mit dazu einbringt.“

Auch nach ein paar Mal hören, komme ich nicht von dem Gefühl los mehrere 80er Jahre Einflüsse in den Songs herauszuhören. Ich frage Andi daher, ob das ein gesteuerter Prozess oder vielmehr ein Zufallsprodukt bei den Aufnahmen sei?

„Lustigerweise war es nie ein taktisches Kalkül, ich bin erst später darauf gekommen, als wir die Platte der Reihe nach aufgenommen haben. Das erste Lied was wir so richtig abgefeiert haben, welches in diese Richtung ging und auch eines der ersten Lieder, dass wir aufgenommen haben, war Out Of Sight. Das Lied hat uns selbst an die 80er erinnert, vielleicht mit einem kleinen damit verbundenen Augenzwinkern. Aber es war mehr Zufall. Ein guter Freund sagte mir, dass ich immer so lange am Synthie drehe, bis irgendwo am Ende immer der gleiche Sound herauskommt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass mir die Songs der 80er Jahre besonders gut gefallen haben und ich deshalb immer in dieser Richtung lande. Wir sind dann am Ende auch auf diesen Sound eingestiegen. Es war uns also durchaus bewusst ab einem gewissen Punkt, aber eben nicht von vornherein geplant. Das Album an sich ist auch nicht komplett vom 80er Jahre Sound geprägt. Auf der Platte sind auch Song drauf, die durchaus andere Elemente beinhalten und nicht so sehr in diese Kerbe hauen.“

Auch die Antwort auf meine Frage, wen den die Musik von FINS am ehesten gefallen wird, ist durchaus logisch. Laut Andi ist der Sound von FINS generationsübergreifend. Die Musik wird daher wohl am ehesten von den Leuten angenommen werden, welche die Musik noch im Original gehört haben. Aber soweit er es mitbekommen hat, wird sie auch gut von den jeweiligen Töchtern und Söhnen angenommen.

Ich möchte ein wenig mehr über Andis Zukunftspläne erfahren. Meine Frage ist daher, ob es sein Wunsch sei, dass FINS sein letztes Projekt bis ans Karriereende bleibt? Bestenfalls auch in dieser Konstellation?

„Das wäre es in der Tat. Auch weil es ein unglaublicher Luxus wäre, wenn man die Ruhe und das Geld am Ende hat, um sich um das Schreiben und die Produktion einer neuen Platte hat. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass das nicht ein mögliches Ziel wäre.“

Und wo sieht er sich in 5-10 Jahren?

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich eigene Musik produziere. Von daher ist es kein absolut neuer Prozess für mich. Unabhängig davon, wie erfolgreich das aktuelle Album sein wird, mein Motor hört nicht auf zu laufen und ich freue mich auch auf andere Sachen. Vielleicht nehme ich in einem Jahr ein Album auf das komplett anders klingt, weil ich bis dahin auch von komplett anderen Dingen beeinflusst bin. Ich finde es durchaus spannend sich dahin gehend zu entwickeln und zu verändern.“

Entwicklung und Veränderung ist dann auch das Stichwort für meine nächste Frage. Mich interessiert, ob es aktuell einen großen Einfluss für ihn gibt, egal ob Künstler oder Band.

„Ja, mich beeinflusst so vieles. Ich bin kein Typ, der auf eine Richtung festgefahren ist. Ich mag jede Art von Musik, die mich auf irgendeine Art anspricht und berührt oder ein Gefühl in sich trägt oder eine gewisse Atmosphäre hat, die mich anspricht. Mir gefallen oftmals Bands die eine gewisse Zeit aufgreifen, wie zum Beispiel die 90er und daraus einen neuen Sound machen. Ich persönlich sehe FINS nicht als Kopie der 80er, vielmehr haben wir aus dem Sound der 80er etwas Neues kreiert.“

In einem anderen Interview hat Andi einmal gesagt, dass bei ihm der kreative Prozess beim Lieder schreiben eher spontan, als geplant abläuft.

„Ja, das ist tatsächlich so, die besten Dinge fallen mir immer spontan ein. Ich setze mich nicht hin und fange gezielt an ein Lied zu schreiben. Das meiste passiert durch äußere Einflüsse. Man läuft durch die Stadt, sieht einen Film etc. Wenn man dann zu Hause ist, greift man das noch einmal auf und schaut was dabei herauskommt.“

Dreamer, Out Of Sight und Glamour Boy sind die Favoriten der hoers.de Redaktion. Daher möchte ich wissen, wie die Lieder entstanden sind und was die Idee dahinter ist.

„Out Of Sight war eines der ersten Lieder, dass wir aufgenommen haben. Als ich das Lied in der Probe den anderen zum ersten Mal vorgespielt habe, kam es überhaupt nicht gut an. Die anderen waren ein wenig perplex und haben sich gewundert, was will er denn jetzt damit?! Aber letztendlich haben wir dann bei mir zu Hause eine Akustik Version als Probe eingespielt. Für mich klingt dieses Lied etwas cheesy aber mit einem unfassbar geilen nostalgischen Sound. Es hat am Ende tatsächlich funktioniert, dass Lied genau so aufzunehmen, auch wenn es ein gewisser Kampf war. Mein Glück ist auch, dass ich mein persönliches Produzenten Dream Team gefunden habe. Die Jungs heißen Zodiac und haben den Sound den wir spielen gleich verstanden und aufgegriffen und in dieser Intensität weitergetragen. Das war dann letztendlich auch der Auslöser und Schwung für den weiteren Verlauf der Platte. 

„Glamour Boy wurde vom Gitarristen Christoph eingebracht. Das Lied geht etwas in eine andere Richtung, es ist etwas Gitarrenlastiger, was bei uns immer ein starkes Gegengewicht ist. Für mich steht der Song für die andere Seite der Platte. Das Lied Dreamer war ursprünglich auch meine eigene Idee. In Zusammenarbeit mit der Band ist dann nach unterschiedlichen Versionen dann letztendlich diese herausgekommen.“

Ich freue mich sehr, dass Andi Zeit hatte das Interview mit mir zu führen. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte die Band live zu sehen, der kann dies noch auf den letzten drei Stationen ihrer Deutschlandtour nachholen:

Di 27.09.2016 Köln – Underground
Mi 28.09.2016 Stuttgart – Schocken
Sa 01.10.2016 Konstanz – Kulturladen
Fr 07.10.2016 München – Milla

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Titelbild: @patrick jasim

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