Konzertreview // Bernard Allison im Quasimodo

Bernard Allison im Quasimodo Konzert Review

Wie der Vater so der Sohn. Mit diesem Mindset startete Bernard Allison erneut eine weitläufige Europa Tour im Quasimodo letzten Samstag. Der in Chicago geborene Gitarrist war schon Europa-affin seitdem er seinen Vater auf mehrere Touren begleitet hat, und kennt alle Tricks des legendären Blues Musikers Luther Allison. Den Spuren seines Vaters folgt er, mehr als zwanzig Jahre nach dessen Zeit, nicht nur mit seiner stundenlangen leidenschaftlichen Performance, aber auch mit dem neuen Album Let It Go, welches starke Chicago Blues Einflüsse hat.

Nervös scheint der Künstler nach dreizehn Alben und einer dementsprechenden Konzertlaufbahn nicht zu sein, als er noch kurz vor dem Konzert in Parka und Beanie gemütlich eine Zigarette pafft. Natürlich konnte ich dem Reiz nicht widerstehen Bernard Allison in seiner Ruhe zu stören. Auf meine Vorstellung und Komplimente zum neuen Album wirft er mir nur ein schiefes Lächeln aus nur unvollständig bestückten Zahnreihen zu.

Bernard Allison beschwört die Geister der Blueslegenden

Später auf der Bühne, ich eingequetscht zwischen einem Robert Plant look-a-like mit schulterlangem grauen Haar und einer ehemaligen Hippie-Dame, die zu jedem Lied tanzt als wären wir auf Woodstock, beweist Bernard Allison wahre Coolness. Die weiße Gibson baumelt um seinen Hals an einem Band bestickt mit den Initialen B. A. – wie ihn auch sein Vater nannte – als der Musiker gelassen zum Mikrophon greift und das Publikum begrüßt. Kaum waren die Jubel vorbei, hallten schon die Akkorde des ohrenbetäubenden ersten Songs „Night Train“ von den Wänden des Clubs.

Bernard Allison im Quasimodo
Der Meister des Gitarrensolos

In zu weiten schwarzen Anzughosen und mit schwingenden Dreadlocks rockt Bernard Allison nicht nur seine eigenen ausgeklügelten Kompositionen, sondern spielt auch seine energiegeladene Version von Jimi Hendrix’ Klassiker „Voodoo Child“. Mit geschlossenen Augen und leidenschaftlich verzehrtem Gesicht fließen dem Musiker die groovigen Töne nur so aus den Fingern. Es hat etwas von einer schamanischen Beschwörungszeremonie, wie Allison über die Saiten gebückt dem Instrument Töne entlockt, die wiederholt Jubel hervorrufen. Und gerade als die Menge aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt, überrascht der Musiker erneut indem er kurzer Hand von der Bühne und ins Publikum hüpft. Er lässt die Band ohne Frontman zurück und spaziert gelassen durch die Menge. Minutenlang bleibt er im Meer der Körper verschwunden. Das Einzige was seine Anwesenheit verrät, ist der Lautsprecher auf der Bühne, der immer noch lautstark die kreativen Eingebungen des Gitarristen auf ohrenbetäubende Lautstärke verstärkt.

Während Bernard Allison die Lieder seines neuen Albums in minutenlange Solo Improvisationen verwandelt, gibt ihm seine Band Rückhalt mit einem steady groove. Aber er ist nicht der einzige Meister seines Instrumentes, auch die anderen Musiker bekommen Chancen ihr Talent in einzigartigen Solos vorzutragen. Jose James begeistert das Publikum mit mehreren Soul-inspirierten Saxophon Solos und der neunzehnjährige Dylan Salfar beweist, dass Alter nur eine Zahl ist mit Improvisationen, die fast mit denen des Sängers mithalten können.

Von dieser Band lässt man sich gerne das Trommelfell bersten

Es ist schon eins als sich die komplette Band, bis auf den Schlagzeuger von der Bühne verabschiedet. Auch wenn er während des Sets schon ordentlich auf die Pauken geschlagen hat, legt Mario Dawson jetzt erst richtig los. Während der Musiker noch zum Publikum spricht geht sein zwanzigminütiges Solo langsam und verspielt los, aber endet in einem ohrenbetäubenden Trommelwirbel, der mir den ganzen Heimweg noch in den Ohren hallte. Nachdem die Trommeln das Solo wahrscheinlich besser überstanden haben als meine Trommelfelle, kommt die Band wieder auf die Bühne. Wer dachte nach zweieinhalb Stunden geht diesen Musikern die Puste aus, hat falsch gedacht, denn Bernard Allison und Co. legen wieder los mit „Serious“, einem der ruhigeren Songs von dem Album Chills & Thrills aus 2008.

Bernard Allison im Quasimodo
Mario Dawson in seinem Element

Eins ist klar; wer Bernard Allison live sehen möchte braucht einiges „Stehfleisch“ und darf keine zarten Ohren haben, denn die Truppe scheut sich nicht davor die Amps bis zum Anschlag aufzudrehen. Die Bandmitglieder sind Musiker mit Leib und Seele und liefern eine wahnsinnig intensive Show ab. Erst gegen halb drei verabschieden sich Bernard Allison und Band mit einem ebenso lauten Krach wie sie begonnen haben und entlassen müde aber sehr zufriedene Fans mit betäubten Ohren aus dem Quasimodo.

Bernard Allison ist ein Muss auf der Konzertliste eines jeden Rock und Blues Fans, aber wer sich auf ein Konzert mit Standard 90 minutenlänge einstellt, sollte davor lieber noch einen Kaffee trinken.

Für weitere Konzert Updates folgt Bernard Allison auch auf seiner Website, Twitter oder auf Facebook

Be first to comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.