Interview // The Pearl Harts – die vorlauten kleinen Schwestern der Beastie Boys

Bei ihrem letzten Besuch in Berlin haben wir The Pearl Harts zum Interview in der Kantine am Berghain getroffen. Dort supporteten sie die wunderbaren Priests. Lest hier alles rund um die am Freitag erschienene EP „Suck It Up“, welches Popsternchen den Song „Hit The Bottle“ inspirierte und was hinter ihrem Band-Namen steckt.

Wie habt ihr zwei euch kennengelernt?

Kirsty: Ich habe damals in einer anderen Rock’n’Roll-Band gespielt und innerhalb eines Jahres hatten wir 6 verschiedene Drummer, da keine von ihnen die Band besonders ernst genommen hatte. Mehr aus Scherz haben wir dann auf einer Webseite für weibliche Schlagzeugerinnen gesucht.

Sara: Die Webseite hieß drummergirl.ning und es war eine Art Social Network. Ich erinnert mich noch genau daran, mich dort registriert zu haben. Ich kannte niemanden in London und dachte ich könnte was als Session Drummer machen. Also meldete ich mich dort an, war aber nie wirklich aktiv. Eines Tages erhielt ich dann eine Benachrichtigung und wunderte mich, dass es wirklich Leute gibt, die es benutzen.

Kirsty: Ja, wir hatten sie angeschrieben und gefragt, ob sie Lust hat vorzuspielen. Wir mochten sie sofort und haben eine Weile in dieser Band zusammen gespielt, aber irgendwann brach diese auseinander. Sara und ich wollten allerdings weitermachen und so entstand The Pearl Harts.

The Pearl Harts in der Kantine am Berghain, 29. Mai 2019 (© Charlotte Kastner, @chuxontourphotography)

Wie seid ihr zu eurem Namen gekommen und was steckt dahinter?

Sara: Es ist schwer sich für einen Bandnamen zu entscheiden, denn wenn du den falschen wählst, kann es peinlich werden. Und davon hatten wir uns einige überlegt.

Kirsty [auf unsere Frage welche das seien]: Das behalten wir für uns.

Sara: Kann ich einen davon verraten? Ok, einer war „Merlin’s Daughters“ [beide lachen].

Kirsty: Oh mein Gott… haha, ein Shakespeare-Schwestern-Vibe.

Sara: Pearl Hart war eine Banditin des Wilden Westens. Sie war die erste Frau die eine Postkutsche überfiel und verkleidete sich dabei immer als Mann.

Kirsty: Sie war im Grunde genommen „a badass woman“. Und das ist unsere Hommage an knallharte Frauen.

Ihr habt auf Facebook so ein grandioses Zitat. Habt ihr etwas ähnliches schon einmal getan, sei es im wahren Leben oder in einem Musikvideo?

Tiny tiny girls that looked like giants on stage… all you can think to do is ask them out for ice cream – and all they want to do is wreck your house and firebomb your car….

Kirsty: In einem unserer Videos sind wir hinten in einem Van während er durch London fährt und performen unseren Song. Dabei haben wir uns auch verletzt und das Schlagzeug zerstört. Das ist was dem am nächsten kam.

Sara: Aber wir haben Leute dazu gebracht für ihre Jobs zu lügen und sie zur Unvernunft überredet. Wenn du mit uns ausgehst, schaffst du es vermutlich nicht mehr nach Hause.

Wie haben eure Eltern reagiert, als ihr ihnen gesagt habt, dass ihr in einer Rock’n’Roll-Band spielen wollt?

Kirsty: Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt. Ich glaube mein Vater wär gern selbst Musiker gewesen. Aber er war in der Army, bekam eine Familie und arbeitete als Lastwagenfahrer. Er hatte mir erzählt, dass er sich als Kind einen Tennisschläger nahm und so tat als würde er Gitarre spielen. Immer wenn ich Interesse an Musik zeigte, hat er mich ermutigt. Er war sogar derjenige der mir mit 14 meinen ersten Platz in einer Band besorgt hatte. Er rief für mich bei einer Band an, die eine Bassistin suchten – damals hatte ich noch Bass gespielt – und hielt mir das Telefon so lange ans Ohr bis ich ein Vorsprechen vereinbarte.

Sara: Meine Mutter kommt zu so vielen Gigs wie möglich. Mein Vater ist leider verstorben, daher weiß ich nicht was er von The Pearl Harts gehalten hätte. Aber er war Gitarrist und es hätte ihm sicher gefallen. Allerdings hätte er sich vermutlich Sorgen gemacht, wie ich Geld verdiene. Denn er war kein großer Freund von der Unsicherheit die das Leben als Musiker mit sich bringt.

Kirsty: Schade, dass wir nicht so rebellisch mit unseren Eltern sind, als wir sein müssten. Aber ihnen gefällt einfach was wir machen.

Was inspiriert euch zu neuen Songs?

Kirsty: Oh, vieles. Unsere frühen Songs waren z.B. von Queens of the Stone Age und Led Zeppelin inspiriert. Wir haben aber auch einen Song der von Taylor Swift inspiriert wurde. „Hit the Bottle“. Es geht darum groß feiern zu gehen und dann zu sagen „That’s it. I’m done with alcohol.“. Und natürlich hält man sich nicht dran und geht wieder feiern und trinkt. Jedenfalls hatte Sara die Idee zum Riff und es war das erste Mal in dem das Songwriting eher experimentell war (normalerweise sind unsere Songs sehr durchdacht). Ich hatte dann die Idee, dass ich etwas höher wie Taylor Swift singen könnte [imitiert Taylor Swift] und es passte irgendwie. Und immer wenn wir den Song spielen, denke ich an Taylor Swift.

Worum geht es in eurer neuen EP „Suck It Up“?

Sara: Ohne jetzt kitschig zu klingen, aber es geht um die menschliche Seele. Also Dinge mit denen man im alltäglichen Leben so zu kämpfen hat. Viele reden aktuell über Mental Health, aber in die Richtung geht es nicht. Allerdings ist jeder mal traurig oder ängstlich und braucht jemanden zum anlehnen. Und das ist nichts schlimmes, sondern ganz natürlich und aus diesen Dingen kann man wieder Kraft schöpfen.

Wir und unsere Leser entdecken gern neue Musik. Welche Künstler könnt ihr uns empfehlen?

Kirsty: Definitiv Calva Louise und Heavy Lungs.

Sara: Ja, genau. Und die größeren kennt ihr vermutlich, aber Shame und Dream Wife sind richtig gut.

Das Release ihrer EP „Suck It Up“ feierten The Pearl Harts auf dem Isle of Wight Festival. Laut eigenen Aussagen ist bei ihnen aber jeder Tag eine Party. Wir hoffen, dass sie bald wieder eine in Berlin feiern! Wir wären auf jeden Fall dabei und wenn ihr auf authentischen Rock’n’Roll steht, solltet ihr euch The Pearl Harts nicht entgehen lassen.

Folgt The Pearl Harts online: Website FacebookInstagramSpotify

Be first to comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.