Interview // Faber über sein neues Album I Fucking Love My Life

Faber: I Fucking Love My Life - Foto: Peter Kaaden

Seit seiner ersten EP „Alles Gute“ ist Faber, der gebürtig Julian Pollina heißt, in der deutschsprachigen Musik ein stehender Begriff. Seine Texte sind polarisierend, provozierend und clever. Am 01.11. erscheint mit „I fucking love my life“ sein zweites Album mit der Goran Koč y Vocalist Orkestar Band (Posaune & Percussion: Tillmann Ostendarp, Bass & Cello: Janos Mijnssen, Gitarre, Percussion & Saxophon: Max Kämmerling, Piano: Silvan Koch), mit der Faber nun schon seit Jahren zusammen spielt. Wir trafen den 26-jährigen Schweizer für ein Interview im Berliner Michelberger Hotel.

Wie hoch war der Druck, dich mit dem neuen Album steigern zu müssen?

Es war schon sehr stressig und sehr viel Druck. Ich habe nicht direkt den Druck verspürt mich zu steigern, aber ich wusste lange nicht wo lang. Die Songs standen sehr schnell, aber 2018 war ein sehr schwieriges Jahr. Es war in allen Bereichen viel los und sehr vieles negativ.


Hast du über diese Zeit in deinen Texten geschrieben?

Ich weiß nicht wie konkret das darin vorkommt, aber es schwingt natürlich immer etwas mit. Man könnte sagen, dass es deshalb ein sehr düsteres Album geworden ist. Meiner Grundstimmung entspricht das so nicht, aber das letzte Jahr war schon sehr beschissen. Es hätte nicht schlimmer sein können. Natürlich, schlimmer geht immer, aber es war schon richtig blöd, auch privat. Geschäftlich ging eigentlich alles gut.

Inwiefern siehst du in „I Fucking Love My Life“ eine Weiterentwicklung?

Ich finde das Album ist genauer geworden, vor allem musikalisch. Aber ich habe nichts neu erfunden. Es ist auf jeden Fall eine Weiterführung von dem, was wir schon vorher gemacht haben. Ich habe auch beim letzten Album schon versucht, einen schönen Bogen zu machen, aber ich finde das ist jetzt noch besser geworden. Es hört sich an wie eine schlimme Geschichte von A bis Z und das, finde ich, ist gut gelungen. Wenn du das Album vom ersten Song bis zum Schluss hörst ist es sehr zusammenhängend. Es werden ganz viele verschiedene Themen besprochen und es ist musikalisch sehr divers und trotzdem hat es einen schönen Bogen, so dass es als Gemeinschaft alleine stehen kann.

Welchen Song magst du auf dem neuen Album am liebsten? Hast du das ganze Album bereits live gespielt?

Ich mag alle. Am liebsten spiele ich live aber Nie Wieder oder Komm Her. Mein Lieblingsteil im Album ist da der Saxophoneinsatz. Die Bläser machen Stimmung. Bisher haben wir ca. 50% oder mehr live gespielt, aber es fehlen noch ein paar, Highlight, Das Leben sei nur eine Zahl, Top, Heiligabig und die Streicherparts. Ich stell mir das sehr schön vor, die Komponente von Cello und Posaune.

Man kann zu deinen Konzerten im November nur, wenn man sich die Platte und das Ticket gemeinsam kauft. Denkst du die meisten der Besucher besitzen überhaupt einen Plattenspieler?

Ich Fuchs [lacht]. Es sind alle Termine ausverkauft, oder fast – wenn, dann fehlen nicht mehr viele. Ich glaube nicht, dass alle einen Plattenspieler haben. Wir haben halt eine sehr schöne Platte gemacht und es ist natürlich schön, wenn sie sich deswegen einen Plattenspieler kaufen. Ich habe selbst auch keinen. Aber ich muss die Platte ja nicht selbst hören. Ich glaube, das ist nicht sehr entspannt, wenn man seine eigene Platte hören muss.

Die Konzerte sind nur ganz klein, mit 90 Leuten oder so. Deshalb hoffe ich, dass das ein ganz schöner, intimer und spezieller Abend wird. Die richtige Tour gibt’s dann ja noch im nächsten Jahr. Das war schon mit Absicht etwas ganz anderes. Wir werden auch nur zu zweit spielen, so wie früher. Also nur Bassdrum, Posaune und Gitarre. Ich freu mich mega darauf. Es ist natürlich weniger, aber in dieser Reduktion hast du ganz andere Möglichkeiten. Wir haben das auch jetzt schon mal wieder so gemacht, zum Spaß in Zürich bei einem italienischen Programm. Du hast super viel Freiheit, wenn du nur zu zweit bist. Du musst dich nur einmal angucken und kannst entscheiden, dass du alles ganz anders und neu machst. Zu fünft ist das schon schwieriger.

Spielst du lieber auf den großen oder kleinen Bühnen?

Wir haben noch nicht auf so vielen großen Bühnen gespielt. Aber so klein ist schon cool, man ist so halt viel näher dran. Es ist auch eine andere Art und Weise, mit so wenigen Leuten zu spielen. Aber ich denke, wenn das jetzt gut läuft, dann können wir das öfter machen und das ist cooler in kleinen Hallen. Aber wir kennen das andere einfach noch zu wenig. Während der ersten Tour im Februar 2016 waren wir in Rostock 14 Leute. Das waren 9 zahlende Gäste und wir. Aber das war super schön. Wir haben auf die Bühne Sofas gestellt und dann haben wir zum Teil auch von unten gespielt. Wir waren also quasi das Publikum und das Publikum war auf der Bühne. Das war eine geile Situation und ein schöner Abend, den sie mitgestalten konnten. Es hat leider niemand mitgespielt, aber sie hätten gedurft. Es war sehr ausgelassen, eine witzige Show.

In welchen Situationen hast du die besten Ideen für deine Musik?

Ich sammle eigentlich ständig Ideen. Aber ich denke schon, dass du einen anderen Druck hast es rauszulassen, wenn dich etwas ganz besonders aus den Schuhen holt. Du schreibst auch einfach andere Sachen. Ich habe leider noch nicht so richtig herausgefunden, wie das Schreiben am besten funktioniert. Es ist immer noch eine Glückssache. Ich schreibe eher irgendwann zwischendurch. Aber ich glaube nicht, dass das die beste Lösung ist. Es ist noch nicht besonders strukturiert.

Welche Musiker inspirieren dich?

Kennst du Rosalía? Die ist super geil. Ihr letztes Album, bevor jetzt neue Singles rausgekommen sind, ist das beste Album was sie seit langem gemacht hat. (El mal querer) Ich würde nicht sagen, dass man es hört, dass ich das Album so oft gehört habe, aber ich finde es krass. Dasselbe gilt auch für Billie Eilish und Lana Del Rey, alle drei sind super. Mit Rosalía haben wir auf dem Gurtenfestival in der Schweiz gespielt. Wir waren sehr aufgeregt. Sie ist eigentlich total bekannt auf der Welt, also ein richtiger Top Popstar, aber in Deutschland und der Schweiz noch nicht so sehr. Ich habe mir das Konzert angeguckt und da waren halt gar nicht so viele Leute, es war aber eine riesen Show.

Planst du selbst, Lieder auch in anderen Sprachen zu schreiben?

Schreiben nicht unbedingt, aber singen auf jeden Fall. Eine Zusammenarbeit fände ich cool, z.B. auf italienisch oder auf französisch. Nur englisch mach ich nicht, englisch spreche ich kaum und auch nicht so gut.

Faber im Michelberger Hotel Berlin – Foto: Sissi

Die neuen Songs sind zum Teil einsam-melancholisch und du stellst dich als Außenseiter dar. Hast du diese Position bewusst gewählt?

Ich glaube schon, dass meine Position oft bewusst beobachtend ist und ganz viele Rollenspiele mit dabei sind. Das ist aber auch sehr gefährlich. Ich habe mich mit der Kritik zu Das Boot ist Voll sehr intensiv beschäftigt und damit muss man auch umgehen können. Gerade dieses Lied hätte ich natürlich lieber von Anfang an in der Version gehabt, in der es jetzt ist. Der Text sollte dem Lied mehr Inhalt haben.

Dein Vater ist ja auch Musiker. Ist er stolz auf das, was du geschafft hast? Welchen Einfluss hatte seine Karriere auf deine?

Klar ist er stolz. Ich bin aber nicht wegen ihm Musiker geworden. Natürlich hatte das schon einen Einfluss, aber nicht aktiv. Ich habe sehr lange gar nichts gespielt und es hat mich auch sehr lange nicht interessiert, bis ich 12 war oder so. Wir mussten zu Hause keine Instrumente lernen und das wollte ich auch ganz lange nicht.

Ich habe früher nicht so viel über Jobs nachgedacht, das war nie ein Thema. Fußball mochte ich echt gerne, aber ich war nie so: „Wenn ich groß werde, dann werde ich mal das.“ Ich habe nicht besonders viele Interessen. Ich gehe sehr gerne aus, aber das ist ja nicht unbedingt ein Job. Aber ich kann schon sehr nett sein. Ich könnte mich zum Beispiel im Verkauf sehen. Ich glaube ich könnte sehr viele Sachen verkaufen, Schuhe zum Beispiel. Den Leuten ein gutes Gefühl beim Einkaufen geben. Ich habe gern schöne Sachen, aber kaufe selbst nicht so gerne ein.

Was sind deine Ziele im Leben außerhalb der Musik?

Das grundsätzliche Ziel sollte natürlich sein, ein anständiger Mensch zu sein und respektvoll mit seiner Umwelt, mit sich selbst und mit seinem Umfeld umzugehen und klarzukommen. Ich tue das auf jeden Fall noch nicht genug. Da ist definitiv noch Potential.

Was beschäftigt dich momentan?

Wie ist die Gesellschaft, was macht die Leute zu dem, was sie sind. Wie kommst du rüber und weshalb. Was machst du, um etwas zu erreichen. Und Liebe.

Deine Texte sprechen politische Themen an. Engagierst du dich auch selbst aktiv in dieser Richtung?

Ich arbeite in Zürich mit Freunden zusammen, die ein Projekt haben das Be A Robin heißt. Unter anderem unternimmt man da Sachen, um die Integration zu fördern und um einen Austausch stattfinden zu lassen. Das hängt auch mit der Musik zusammen, wir organisieren Konzerte und solche Sachen. Wir haben zum Beispiel vor einem Jahr ein großes Konzert organisiert, bei dem viele verschiedene Leute etwas gemacht haben. Und man verabredet sich in der Runde, zeigt was man so macht und tauscht sich aus. Ich bin nicht aktiv dabei, aber wir machen viele coole Konzerte. Klar kann ich nicht dabei helfen, Anträge zu stellen. Ich kann kaum meine eigenen Steuern machen. Jeder hilft da, wo er gut ist. Sport und Kunst sind sehr gut für die Integration.

Musik machst du ja bereits. Wie sieht es denn mit Sport aus?

Ich selbst habe lange keinen Sport gemacht. Früher war ich oft Fußball spielen, aber das ist lange nicht mehr vorgekommen. Tennis fände ich jetzt cool, aber habe ich noch nie gespielt. Ich stelle mir das schick vor, so ganz in weiß. Ping Pong kann ich aber, Ping Pong finde ich sehr geil.

Hast du abschließende Worte oder Gedanken zu deinem neuen Album?

Ich glaube, bei dem neuen Album wird vieles nicht richtig verstanden werden. Ich lasse mich da mal überraschen. Aber es ist halt auch sehr viel Konfliktpotential da. Vom ersten bis zum letzten Song könnte es einen Konflikt geben. Darauf bin ich noch nicht vorbereitet, das wird eine schwierige Phase, aber ich trage keine Waffen und kann mich nicht verteidigen. 

Bonusfrage: Wenn du eine Pizza wärst, welche wäre das?

Also nicht was für eine Pizza ich gerne mag, sondern welche ich wäre? Wahrscheinlich so eine Standard Pizza Margherita. Geht es darum, wie man sich selbst sieht, oder wie einen andere Leute sehen? Ich wäre gern was cooles, Bufala mit frischem Basilikum. Das wäre richtig cool.

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