Interview + Release // Vérité – New Skin

21. August 2019. Es ist Sommer in Berlin. Wir betreten das Hinterhof-Café des Michelberger Hotels und da sitzt sie bereits, Kelsey Byrne aka Vérité. Als wir 2016 bei ihrem Konzert im Auster Club waren, hätten wir nicht gedacht, dass wir so lange warten müssen um sie wiederzusehen. Dass wir sie das nächste Mal allerdings nicht auf der Bühne sondern bei einem Interview sehen würden, hätten wir uns damals auch nicht erträumt. Doch so kam es und wir waren mega happy, dass wir mit ihr u.a. über ihr heute erschienenes Album „New Skin“ sprechen konnten.

Erst einmal Herzlichen Glückwunsch zum Release von „New Skin“! Wie fühlt es sich an?

Es fühlt sich gut an. Ich habe es ungefähr vor 2,5 – 3 Wochen fertiggestellt und seitdem gab es ununterbrochen etwas zu tun. Daher auch der Urlaub jetzt. Ich freue mich schon sehr ein bisschen abzuschalten. Aber es fühlt sich sehr gut an, als hätte ich einen Milestone erreicht.

Seit der Veröffentlichung deines Debütalbums „Somewhere In Between“ und deinem Zweitwerk „New Skin“ liegen zwei Jahre. Was ist in dieser Zeit passiert?

Ich habe irgendwie nie wirklich aufgehört zu arbeiten. Nachdem ich das erste Album veröffentlicht hatte, hatte ich mir 1-2 Monate frei genommen, was schön war. Aber ich fing dann relativ schnell an, wieder zu schreiben. Es hat allerdings eine Weile gebraucht bis ich herausgefunden habe, was ich schreiben wollte und wie das Album klingen sollte. Ich habe viele schlechte Songs geschrieben. Ich bin durch all diese seltsamen Spannungen gegangen bevor der Grundstein für das Album gelegt war. Ich konnte viel experimentieren und manchmal war es beängstigend. Denn wenn du dich ausprobierst und es nicht funktioniert, dann hast du diese Angst, dass du nie wieder etwas Gutes schreiben wirst. Aber irgendwann in diesem Jahr kam alles irgendwie zusammen. Und ich wusste was ich tue und was wir erledigen mussten. Also erstellten wir einen Zeitplan und alles fügte sich.

Worin unterscheiden sich die beiden Alben?

Bei diesem Album hatte ich den Luxus, dass ich mich nur auf die Musik konzentrieren konnte. Ich bin zwar immer noch unabhängig, aber beim ersten Album hatte ich weniger Ressourcen und musste mich auch um Finanzen und das Geschäftliche kümmern. Und es fühlte sich damals so an, als wäre ich nur halb bei der Sache. Bei diesem Album konnte ich mich nun richtig fokussieren und war stärker in der Produktion involviert. Dadurch habe ich das Gefühl, dass das Album irgendwie runder ist. Eine kleine Welt in sich in der die Leute eintauchen können und nicht nur eine Sammlung an Songs.

Was macht dir am meisten Spaß? Ist es das Songwriting, Recording oder Touring?

Touring [kommt wie aus der Pistole geschossen]. Ich bin gern beschäftigt. Und ich weiß gerne, was ich tue und ich treffe gern Leute unterwegs. Ich würde natürlich nicht auf Tour gehen können, wenn ich die Songs nicht schreiben würde aber ich würde die Songs auch nicht schreiben, wenn ich nicht touren würde. Das bedingt sich gegenseitig.

Wo würdest du gern dein Album performen? Z.B. in einer bestimmten Stadt oder bei einem Festival.

Überall! Ich bin wirklich gespannt. Es wird eine Album Release Show geben. Ich werde noch dieses Jahr ein paar Shows spielen. Am meisten freue ich mich aber auf die Headline Tour nächstes Jahr. Und ich würde gern erneut in Island spielen. Ich hatte bereits einmal bei Iceland Airwaves gespielt und wenn sie mich noch einmal nehmen, würde ich sofort zusagen.

Hast du irgendwelche Rituale oder schlechte Angewohnheiten?

Ich stehe auf, trainiere und trinke arschviel Kaffee. Das ist mein tägliches Ritual. Ich esse jeden Tag Müsli mit Bananen und Blaubeeren. Und vor den Shows nutze ich immer meinen Voice Steamer, bin sehr ruhig und konzentriert.

Wo/Wie sollten wir dein neues Album „New Skin“ hören?

Ich würde mir wünschen, dass die Leute das Album vorzugsweise über Kopfhörer hören. Mit den neuen Kopfhörern kann man so gut in diese musikalische Welt eintauchen. Und dann entweder im Liegen oder beim Laufen. Ich selbst höre Musik immer beim Gehen. Am besten wenn man kein Ziel hat.

Bist du eher der Album- oder Playlisten-Typ?

Ich bevorzuge Alben. Aber ich habe das Gefühl, dass ich immer zu 5 Songs hingezogen werden. Wenn ich an einem Album schreibe, mache ich mir bewusst, dass Leute immer nur zu 5 Songs tendieren und versuche zu erreichen, dass sich alle zu 5 unterschiedliche Songs hingezogen fühlen und jeder Song ein bisschen Liebe abbekommt. Aber es ist selten, dass man ein Album hat, bei dem man keine Songs überspringt.

Wie viele Songs haben es nicht aufs Album geschafft?

Hm, vermutlich nur 3 oder 4. Wenn wir nur von vollständig ausgearbeitet Songs reden. Vielleicht stelle ich diese auch noch fertig und veröffentliche sie später. Ansonsten waren es sicher 80 Songs die es nicht aufs Album geschafft haben und die nie jemand zu hören bekommen wird.

Du hast eine außergewöhnliche Beziehung zu deinen Fans. Liegt dir das einfach oder musst du dich dazu überwinden immer auf Social Media präsent zu sein?

Es kommt eig. ganz natürlich. Ich hab das Gefühl, dass ich nicht ganz so aktiv bin, wenn ich müde bin. Aber ich muss mich nicht dazu zwingen. Was manchmal Überwindung kostet, ist Videos von mir aufzunehmen. Ich bin gut in den Dingen, in denen ich gut bin. Ich liebe Menschen und besonders meine Fans. Es sind echte Menschen und ich habe das Gefühl, dass es eine kleine Community von Leuten ist, die nicht so angepasst sind. Ohne narzistisch zu klingen, sehe ich Teile von mir in ihnen. Zum Beispiel bei meinen Shows, wir tanzen und raven zwar nicht, aber da sind Bewegungen und stille Momente und es fühlt sich an, als wären wir auf einer Wellenlänge. Und das schätze ich sehr.

Du machst den Eindruck, dass man online leicht mit dir in Kontakt treten kann. Gibt es da irgendwelche Stories?

Ich versuche so verfügbar wie möglich zu sein. Am häufigsten fragen mich die Leute woher mein Voice Steamer ist. Es sind diese trivialen Interaktionen die mir am meisten bedeuten. Viele unabhängige Musiker die gerade mit der Musik anfangen, denen trete ich in den Hintern und mache ihnen Mut.

Dein Vater hat mit Princess Lionheart ein sehr schönes Kunstprojekt geschaffen. Kannst du uns mehr darüber erzählen? Inwieweit basiert diese Person auf dir und inwieweit bist du involviert?

Ja, er arbeitet gerade an einem Stop Motion Horrorfilm. Er hat bereits diesen Princess Lionheart Raum erschaffen, und dann gibt es da noch die andere Welt die sehr düster ist. Ich weiß nicht, ob er sich bei Princess Lionheart von mir hat inspirieren lassen, aber sie ist knallhart. Sie lässt sich nichts vorschreiben und macht ihr Ding. Wenn überhaupt lasse ich mich von ihr inspirieren. Er hat auch Charaktere für meine Mutter und meinen Bruder erschaffen. Langsam aber sicher kreiert er diese kleine Welt. Bisher bin ich nicht weiter involviert, aber vielleicht kommt das ja noch.

Wenn du ein Festival organisieren könntest, wie würde das aussehen?

Ich würde wollen, dass es an einem sehr schönen Ort ist. Vielleicht in Island im Sommer. Oder Grönland. Ich war zwar noch nie auf Grönland, aber vielleicht wäre das ein guter Ort. Es wäre definitiv draußen, irgendwo wo es warm ist und mit einem All-Female-Line-Up. Wir brauchen keine Männer mehr. Wir dann hätten Florence + The Machine, Lana del Rey, Lorde und Lykke Li.

Und zu guter Letzt: welche neuen Künstler sollten wir auf dem Schirm haben?

Ja, da gibt es die Band Arthur Moon aus New York. Sie ist großartig. Alternative Rock, ein bisschen anders, sehr einmalig. Und ich denke sie wird sehr erfolgreich sein. Nicht wie ein Popstar, aber innerhalb ihres Genres.

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