Review // 2Q Festival in Lincoln

1 Tag. 10 Locations. Über 100 Bands aus den Bereichen Indie Rock und Alternative Pop. Da sind Enttäuschungen aber natürlich auch positive Überraschungen vorprogrammiert. Und neben der Musik gab es auch noch eine wirklich schöne Stadt zu entdecken. So haben wir das 2Q Festival in Lincoln erlebt.

Should I stay or should I go?

Unser Besuch beim 2Q Festival in Lincoln stand unter keinem guten Stern. Bei der Ankündigung des Timetables mussten wir feststellen, dass uns dieser leider nicht besonders wohlgesonnen war. Von den über 100 Acts die an dem einen Tag in 10 Venues spielten, gab es eine Handvoll die wir unbedingt sehen wollten. Doch unsere Favoriten Saint Agnes, Calva Louise und Orchards spielten zeitgleich. Und das blieben leider auch nicht die einzigen Überschneidungen. Aber bei Festivals geht es ja auch darum, neue Acts zu entdecken. Und da wir nur wenige Must-See’s auf unserer Liste hatten, konnten wir daher umso mehr neue Acts entdecken. 

Die zweite Hürde war dann von Manchester nach Lincoln zu kommen. So gab es doch zwei Tage vor dem Festival einen so starken Regen, dass es zu massiven Überschwemmungen kam und die Verbindungen zwischen Manchester und Lincoln ersatzlos gestrichen wurden. Bis zum Festivaltag war also ungewiss, ob wir das Festival überhaupt erreichen würden. Glücklicherweise hatte es sich am Samstag so weit beruhigt, dass unser Zug nur eine halbe Stunde Verspätung hatte und wir es noch pünktlich zum Festivalbeginn geschafft haben.

Unsere Top 3 Highlights

Als wir Saint Agnes im Mai diesen Jahres in Berlin zum ersten Mal gesehen haben, war uns sofort klar: diese Band müssen wir unbedingt wiedersehen. Sie waren einer der Hauptgründe, warum wir überhaupt erst zum Festival geflogen sind. Und wie zu erwarten war, boten sie uns eine unglaublich gute Show. Es war laut, es war voll, es war heiß und verrückt. Der Auftritt war leider viel zu kurz, aber wir haben jede Sekunde geliebt. Vom Hasen-Kostüm des Bassisten bis hin zum Stagediving der Sängerin Kitty.

Die erste Neuentdeckung des Festivals waren Hourglvss. Die beiden Sängerinnen Sophie und Katie aus Brighton zogen bereits durch ihren Look unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein bisschen 20s/30s, ein bisschen Jazz und irgendwie mystisch. Da wunderte es uns auch nicht, zu erfahren, dass Katie einen Online Vintage Store betreibt in dem Sophie regelmäßig bestellte, bevor sich die beiden überhaupt kennenlernten. Diese Einflüsse finden sich auch in ihrer Musik wieder: experimenteller Pop mit Western-Einflüssen. Wir werden Hourglvss weiter beobachten und euch über Neuigkeiten auf dem Laufenden halten!

Das Festival schlossen wir dann mit Yonaka ab. Eine Band auf die wir sehr neugierig waren. Und was sollen wir sagen, sie haben nicht enttäuscht! Ihre Show war noch energiegeladener und kantiger als ihre Tracks es vermuten ließen. Das Publikum verwandelte sich innerhalb von Sekunden in ein einziges Moshpit. Uns wunderte, warum Yonaka beim Festival nicht auf einer der größeren Bühnen standen und in einer kleinen Bar ohne Bühne für nur gut 100 Leute spielten. Aber wir wollen uns nicht beschweren, wir haben diese kleinen intimen Konzerte ja eh viel lieber.

Außerdem erwähnenswert

Aufmerksame Leser werden sich erinnern, dass wir Working Men’s Club bereits auf diversen Festivals verpasst haben. Nicht so beim 2Q Festival! Zum ersten Mal haben wir hier im sog. Pit – also vor der Absperrung – fotografiert. Schon irgendwie cool, aber das bedeutete auch, dass man nach drei Songs das Feld räumen musste. Den Rest haben wir uns dann aus der Menge aus angeschaut. Die vier Briten lieferten eine angenehm gleichgültig wirkende Performance ab.

Die zweite Überraschung des Tages waren Deco. Die Jungs aus UK hatten mitreißenden 80s inspirierten Indie-Pop im Gepäck, der auf den ersten Blick nicht so ganz ins doch sehr Rock-geprägte Lineup passen wollte. Es war aber eine erfrischende Abwechslung und hätte gut und gern auch zu späterer Stunde stattfinden können, da die Musik tanzbar war und die Clubnacht hätte einläuten können.

Leider verpasst

Wie bereits erwähnt, gab es leider so viele Überschneidungen, dass wir nicht all unsere Highlights sehen konnten. Aber nur, weil wir die Bands beim Festival verpasst haben, wollen wir sie euch nicht vorenthalten. Da hätten wir z.B. Calva Louise die vor kurzem noch mit den Psychedelic Porn Crumpets auf Deutschland-Tour war. Oder die Orchards aus Brighton, die nächstes Jahr zum ersten Mal auch mehrere Konzerte in Deutschland spielen werden (Berliner, merkt euch schon mal den 17.4. vor!). Und über die großartigen Cassia haben wir ja auch bereits mehrfach berichtet. All diese Bands haben wir bereits live erlebt und können euch einen Konzertbesuch daher nur wärmstens empfehlen. Sehr gefreut hatten wir uns eig. auch auf Band of Skulls und Heavy Lungs, denn beide hatten wir bisher noch nicht gesehen.

Orchards, © Jessie Morgan

Fazit

Wenn wir jetzt einmal davon absehen, dass es uns zu viele Überschneidungen gab, war das 2Q Festival in Lincoln doch ein sehr gelungenes Festival. Die 10 Locations waren – bis auf eine Ausnahme – alle innerhalb von 5 Minuten zu Fuß zu erreichen und Lincoln war eine sehr schöne kleine Altstadt mit vielen gemütlichen Cafés. Es schienen auch sehr viele Bands aus Lincoln im Lineup gewesen zu sein. Schön, dass diese dadurch auch eine Plattform erhalten haben. Das einzige was wir allerdings bemängeln müssen, ist der geringe Anteil weiblicher Bands. Wir wollen euch hier jetzt nicht den Prozentsatz ausrechnen, aber er würde leider definitiv zu gering ausfallen. Und dabei gäbe es genug Bands, die perfekt ins Lineup gepasst hätten, wie zum Beispiel Just Mustard, The Pearl Harts, The Mysterines, Havvk, New Pagans und whenyoung

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Fotos: © Chux On Tour Photography

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