Interview // Rikas auf Tour mit Showtime

Rikas Interview

Die Rikas, das ist das Quartett aus Stuttgart das ein bisschen klingt wie die Beach Boys. Genau richtig also, um dem Winter Blues entgegenzuwirken. Letztes Jahr waren sie bereits auf Swabian Samba Tour, im Oktober haben sie dann ihr Debütalbum „Showtime“ herausgebracht. Mit diesem sind sie zur Zeit auf Tour. Wir haben die Rikas in München kurz vor ihrer fast ausverkauften Show im Strom fürs Interview getroffen. Sie haben uns erzählt, was ihre Eltern über ihre Karriere denken und da sie ihnen ein ganzes Lied gewidmet haben natürlich auch, wie sie ihre Tortellini am liebsten essen.

Wie fühlt ihr euch vor dem Konzert heute Abend? Seid ihr noch aufgeregt vor Shows?

Ferdi: Wir freuen uns auf jeden Fall. Die Aufregung kommt bei mir sehr knapp vor der Show, so 5 Minuten vorher geht’s dann los.

Sam: Heute ist es auf jeden Fall besonders weil heute vom Label und Management viele da sind und jetzt kamen auch noch unsere Booker ganz spontan. Es sind auf jeden Fall super viele Leute. Mein Dad kommt auch, der ist mit uns hierhergefahren.

Kommen eure Eltern öfter mit auf Tour?

Sam: Immer mal wieder vereinzelt, meistens nie alle zusammen. Letzte Woche war Saschas Dad da. Aber das ist immer schön.

Ferdi: Ich glaube zur Stuttgart Show kommen sie dann alle.

Lebt ihr denn alle noch in Stuttgart?

Sam: Wir wohnen nicht alle daheim, aber die Base ist schon in Stuttgart. Fast alle wohnen in Stuttgart.

Was haben eure Eltern gesagt, als ihr ihnen gesagt habt, dass ihr jetzt Musiker werdet?

Sam: Vor allem wir beide kommen aus Künstlerfamilien. Ferdis Eltern sind Jazzmusiker; seine Mutter Klassikerin aber beide Kontrabassisten. Mein Vater ist Comedian, macht Musik und kommt aus dieser Szene. Meine Mutter war früher in Frankreich im Zirkus. Das war ein ganz natürlicher Prozess. Wir hatten Glück, dass wir sehr viel Support von unseren Eltern bekommen haben. Bei ihnen selbst war es damals eher so: „Du willst Künstler werden, was soll denn das?“ Hätten wir unsere Eltern nicht in der Form gehabt, dann wäre unsere Band vielleicht gar nicht so entstanden. Unsere Eltern haben uns nicht mega getriezt und gesagt ihr müsst jetzt Musik machen. Ich glaube beim Ferdi war‘s am Anfang so, als er Schlagzeug gespielt hat, dass ihm auf die Finger gehauen wurde. Da war das Elternhaus dahinter, dass da was geht. Die waren einfach glücklich, dass wir Musik machen. Dass das dann so passiert, damit hat niemand gerechnet.

Ferdi: Zumal ich auch einen 9 to 5 Job davor und eine Ausbildung gemacht hatte und dann da noch eineinhalb Jahre gearbeitet habe und dann erst gesagt habe ok ich schmeiß‘ den Job jetzt hin und wir machen Musik und ich glaube da stand gar keine Diskussion zur Frage, ob ich nicht was anderes machen will.

Rikas Interview in München
Sam (links) und Ferdi im Strom in München – Foto: Sissi
Macht ihr inzwischen nur noch die Band oder habt ihr auch Nebenprojekte?

Ferdi: Wir machen alle hauptberuflich Musik. Chrissi studiert gerade noch fertig und muss jetzt seine Bachelorarbeit für sein Architekturstudium auf Tour schreiben.

Sam: Ich glaube hätte er die Band nicht, wäre er seit 2-3 Jahren fertig. Er hat das richtig lange gestreckt. Wir anderen drei haben die Jobs schon früher an den Nagel gehängt.

Wie stellt ihr euch die Zukunft vor? Was ist euer 50-Jahresplan?

Sam: Es wäre schön, wenn wir noch in 15-20 Jahren Musik machen würden. Man weiß ja nie was im nächsten Jahr kommt. Ich glaube, du musst einfach gucken wie es sich anfühlt. Wenn es sich in 5 Jahren nicht mehr so anfühlt, als ob man Musik machen sollte, dann sollte man auch sagen „Hey das war jetzt eine schöne Zeit mit der Band, aber jetzt schaut mal jeder was er so machen will.“ Ist es nicht auch eine schöne Vorstellung, ein 45-jähriger Rocker zu sein? Mein Dad macht immer noch seine Kunst, die er vor über 20 Jahren angefangen hat. Er macht auch viel Musik und er macht das jeden Tag. Ferdis Dad ist auch nicht mehr der Jüngste und es fühlt sich trotzdem ganz normal an.

Ferdi: Man denkt auch nicht so viel über das „was wäre wenn“ nach. Ich glaube man beschäftigt sich dann damit, wenn es soweit ist.

Sam: Ich lese gerade ein Buch über Phoenix. Das ist eine schöne Band, die sehe ich ein bisschen als Vorbild. Die sind ja auch schon Mitte 40 und immer noch zusammen auf Tour.

Wir machen Popmusik, ein bisschen alternativer angesetzt, viel Soul, viel Funk, viel Indie. Von allem ein bisschen. Das würfelt man dann zusammen und dann kommen die Rikas raus.

-Sam
Was macht ihr privat, macht ihr auch viel zusammen?

Sam: Im Prinzip machen wir fast alles zusammen, auch privat, weil wir viel zusammen abhängen müssen. Aber ist ja auch schön, wir haben neben der Band ähnliche Interessen. Wir machen gerne Sport, sind im Freien, spielen Frisbee und Fußball. Wir sind gerne aktiv und bewegen uns. Auch der Freundeskreis ist sehr ähnlich. Es ist immer noch der gleiche wie während der Schule und das ist auch das schöne, weil das Leute sind, die uns von Anfang an kennen. Da ist eigentlich das letzte Gespräch, dass man über die Band redet. Da ist es dann eher so, dass man sagen muss „Ey Leute, kommt mal zum Konzert!“ – Wobei, mittlerweile nicht mehr so. Mittlerweile wollen sie doch kommen.

Geht ihr euch nicht auf die Nerven? Gibt’s etwas das euch am anderen auf den Geist geht?

Sam: Ich glaube es gibt schon immer mal wieder Dinge die einen nerven, aber wir sind sehr bemüht ein stetig gutes Betriebsklima zu halten. Und wenn jemanden etwas sagt das ihn stört, dann wird das angesprochen. Aber wenn du wirklich etwas wissen willst… Ferdi und ich waren bereits zusammen im Kindergarten und er ist schon ein bisschen langsam. Er könnte ein bisschen schneller aufstehen, der braucht ein bisschen Druck. Aber wahrscheinlich denkt er von mir genau das gleiche, ich bin so ein Stresser. Das ergänzt sich ganz gut.

Ferdi: Ich glaube das ist ein guter Punkt. Ich bin morgens nicht so der frühe Vogel, dafür nachts. Wenn morgens um 8 der Wecker klingelt in der WG auf dem Boden wo wir geschlafen haben, dann ist das für mich schon nicht leicht.

Was schätzt ihr denn dafür am anderen am meisten?

Ferdi: Was ich am Sam sehr schätze ist seine Weitsicht fürs Kreative. Er macht sich mega viele Gedanken, z.B. bei einer Set List. Wie klingt das, wenn der langsame Song nach dem schnellen kommt wie ist die Stimmung, die der Song vermitteln soll. Er macht sich sehr viele Gedanken, das schätze ich sehr weil ich das gar nicht könnte in dem Ausmaß.

Sam: Der Ferdi ist ein ziemlich cooler Typ. Er ist immer da. Wenn man mal reden möchte dann ist er auf jeden Fall der erste Ansprechpartner. Oder wenn man jemanden braucht der einem zuhört, wenn man Probleme hat.

Wie sieht euer Leben auf Tour aus? Was vermisst ihr und was sind die schönsten Momente?

Sam: Tour ist immer ein Wahnsinn, ein Ausnahmezustand. Man ist unterwegs für drei Wochen und kommt nicht heim. Wenn‘s Spaß macht ist’s super schön. Wenn man erkältet ist oder man vermisst jemanden daheim, dann kann es auch die Hölle sein. Es ist ein Leben der Extreme, du stehst morgens auf, bist müde und musst in die nächste Stadt. Dann kommst du da an und dann steht da nicht das Zeug, das du haben wolltest, du musst dich auf eine Bühne quetschen, die zu klein ist, dich immer wieder anpassen. Das kann schon schlauchen.

Aber wenn du die Show spielst ist meistens alles vergessen. Vor allem wenn viele Leute da sind und es ein schönes Konzert war. Es geht hoch und runter, man hat einen Alltag, weil sich die Dinge wiederholen: Du kommst zur Location, machst Soundcheck, redest mit den Fans. Das ist super schön, du hast Kontakt zu Leuten, die du sonst nicht siehst. Und am nächsten Tag geht’s wieder von vorne los.

Ferdi: Tatsächlich dann wieder in einer neuen Stadt mit neuen Leuten, was den Job auch echt interessant hält. Trotz des ständig gleichen Tagesablaufs hast du dennoch immer wieder andere Leute und neue Kontakte.

Was sind denn die Schwierigkeiten, mit denen ihr auf Tour zu kämpfen habt?

Sam: Du musst mit Schlafmangel umgehen können. Du hast immer wieder Phasen, in denen du viel schlafen kannst, aber für mich ist es immer schwierig nach dem Konzert. Du kommst nach Hause aber bist noch gehyped. Die Gedanken fangen an zu rollen, wenn du in deinem Zimmer liegst. Davor hast du so viele Leute um dich rum und dann hast du erst Zeit zu verarbeiten und liegst zwei Stunden da und denkst dir, eigentlich bin ich überhaupt nicht müde aber ich muss schon wieder um 6 Uhr aufstehen.

Ferdi: Du hast auf Tour auf jeden Fall sehr wenig Zeit zu reflektieren. Das kommt meistens erst nach der Tour, wenn man zu Hause ist.

Apropos reflektieren, was war denn euer Highlight in diesem Jahr?

Sam: Es gab ein paar Highlights. Die schönsten Festivals waren für uns in diesem Jahr auf jeden Fall MS Dockville in Hamburg und Southside. Das Puls Open Air war auch sehr schön, wo wir auf die Bühne kamen und da standen mindestens 2000 Leute beim Auftritt. Damit rechnest du nicht, und dann ist das auch echt eine coole Show gewesen, wir waren super happy. Du kommst von der Bühne und es fällt so eine Last ab. Ein anderes Highlight war, dass wir die Möglichkeit hatten, ein Album aufzunehmen und released haben. Heute wird vielleicht auch ein Highlight, das ist die größte Show bisher. Es kommen fast 500 Leute.

Ferdi: Ja das ist die größte Show of all times, als Headliner.

Die Rikas live – Foto: Sissi
Unterscheiden sich eure Zuhörer je nach Ort?

Sam: Teilweise. Dave Chapelle hat letztens in einem Interview gesagt, dass er krass gemerkt hat wie sich das verändert, der ist ja schon seit den 80ern auf Tour. Er war früher in Dänemark und wusste die Dänen sind so, und dann war er in New York und wusste genau wie das Publikum dort ist. Aber dadurch, dass es jetzt das Internet gibt hat sich das viel mehr vermischt. Jeder kennt alles und weiß alles. München ist immer sehr schön zu spielen. Die Leute sind smooth und sexy und haben Lust und tanzen. Hamburg ist immer richtig wild.

Ferdi: Das sind krasse Tänzer auf jeden Fall.

Sam: Und Berlin sind so viele Musikindustrieleute, die stehen dann fad da mit ihrem Pils.

Ferdi: Die wippen dann so ein bisschen mit ihrem Fuß, vielleicht.

Und wie ist das daheim in Stuttgart?

Sam: In Stuttgart ist immer nur Family. Da ist auch die größte Show jetzt auf der Tour. Gefühlt kennt man da die Hälfte der Leute und man kann das weniger genießen, als wenn man wenige Leute kennt. Mich stört das nicht so aber der Chrissi mag das gar nicht, für den sind das immer die schlimmsten Shows.

Ferdi: Ich bin da um Welten nervöser als bei anderen Städten

Wie verhalten sich denn die Münchner?

Sam: Ich habe das Gefühl, dass die Shows hier in München wie wir sie bisher hatten immer sehr schön waren und ich glaube auch unsere Musik passt ganz gut in die Stadt.

Ferdi: Münchner sind sehr aufmerksam. Habe ich zumindest die letzten paar Shows festgestellt, dass sie sich nicht unbedingt großartig bewegen aber dennoch sehr begeistert sein können und sich gerne begeistern lassen. Sie geben nicht so viel nach außen, außer beim Applaus tatsächlich. Münchner applaudieren sehr laut. Wohlerzogene Menschen.

Was macht eure Musik aus? Nennt ihr euer Genre noch Jungle Pop?

Sam: Ich würde sagen, dass Jungle Pop nicht mehr unbedingt passt. Der Begriff kommt ja immer von den Medien. Jungle Pop ist, streng gesehen, ein Genre von Techno. Wir machen Popmusik, ein bisschen alternativer angesetzt, viel Soul, viel Funk, viel Indie. Von allem ein bisschen. Das würfelt man dann zusammen und dann kommen die Rikas raus.

Habt ihr euch über die Jahre verändert oder weiterentwickelt?

Ferdi: Sowohl als auch

Sam: Wir haben als Band eine schöne Entwicklung gemacht und bei einer Entwicklung verändert man sich natürlich auch.

Einwurf von außen: Vor allem haben sie Bärte bekommen!

Sam: Veränderung ist immer auch Entwicklung. Für uns ist es wichtig, dass wir es immer anders machen als davor. Es ist oft schön, genau das Gegenteil von vorher zu machen. Es gibt Bands die klingen beim nächsten Album genau gleich. Zumindest persönlich habe ich das Gefühl, dass wir schon einen kleinen Schritt weg gemacht haben von der EP.

Mit was sind eure Tortellini gefüllt?

Sam: Ich glaube Spinat.

Ferdi: Bei mir sind‘s die vom Edeka mit Steinpilzen gefüllten Tortellini.

Sam: Oh ja Steinpilze. Was ich nicht mag sind auf jeden Fall Schinken-Tortellini, Spinat Tortellini sind halt ein bisschen wie Maultaschen. Schwierig. Eigentlich esse ich mittlerweile sehr selten Tortellini.

Ferdi: Das letzte Mal war in Berlin bei der Produktion.

Sam: Wenn wir uns einigen müssten dann würde ich sagen Pilze.

Und zuletzt natürlich die Frage: Was ist eure Musikempfehlung, die wir nicht verpassen dürfen?

Sam: Ich würde auf jeden Fall sagen unser Support heute Abend, Kaltenkirchen. Er nennt seine Musik selbst Anti-Schlager. Er ist alleine, aber spielt mit Band. Sollte man auf jeden Fall auschecken. Der hat jetzt erst seine Debüt-EP rausgebracht. Er ist ursprünglich Stuttgarter und jetzt aus Wien. Wir kennen ihn tatsächlich durch unseren Soundmann, der damals mit ihm auf der Schule war. Und der macht jetzt seinen Weg und bringt Ende des Jahres ein Album raus.

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