ESNS Festival 2020 // Review

Das erste Festival des Jahres haben wir bereits hinter uns! Drei Tage waren wir im Januar in Groningen, Holland auf dem Eurosonic Noorderslag Festival unterwegs und haben uns alte Bekannte angeschaut und ganz viel neue Bands entdeckt. Vier Tage lang spielten 347 europäische Acts auf 48 Bühnen. Wir waren an drei Tagen mit dabei. Lest hier nun ein bisschen mehr über unsere persönlichen Highlights.

TAG 1:

Der erste Festival-Tag begann zwar erst recht spät, hielt für uns aber besonders viele Highlights bereit. Die isländische Sängerin JFDR lockte uns in die Lutherse Kerk und überzeugte mit einer verträumten Performance in der Kirche.

Anschließend eilten wir zu unserem Lieblings-Indie-Folk-Duo Wolf & Moon ins News Café. Beim Namen der Location hatten wir erst Sorge, dass es sich hierbei um eine provisorische Bühne handelte, aber da lagen wir falsch. Im Keller des Restaurants versteckte sich ein sehr schöner Club. Als wir ankamen war es schon gut gefüllt und nur wenige Minuten später betraten Stefany und Dennis die Bühne. Diese war übrigens passend zur verträumten Musik mit Glühbirnen dekoriert und vermittelte dadurch eine besonders warme Stimmung. Mit ihren Songs und den kurzen Geschichten dazwischen hatten sie das Publikum schnell für sich gewonnen. Und zum Abschluss performten sie ihren Song „Wildebeest“ mitten im Publikum und hatten spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Lächeln auf alle Gesichter gezaubert.

Ebenfalls in der Lutherse Kerk spielten anschließend ÄTNA. Das Duo aus Dresden fällt schon allein durch das interessante Setup auf der Bühne auf. Schlagzeug und Keyboard sieht man ja häufig auf der Bühne, aber statt diese zum Publikum auszurichten, sitzen sich Demian an den Drums und Inéz an den Keys gegenüber. Sie spielten sowohl alte Songs wie „Shut Your Mouth“ aber auch neue Tracks ihres am Valentinstag erschienenem Album „Made by Desire“.

Die belgische Band Black Mirrors zählte zu unseren ersten Neuentdeckungen des Festivals. Musikalisch vereinen sie Alternative Rock mit schamanischen Psychedelia und überzeugten durch stimmliche Intimität und Virtuosität. Ihre hypnotisierenden und groovigen Melodien sowie ihre unglaubliche Bühnenpräsenz und Energie ließen uns alles herum vergessen. Am 22. März eröffnen Sie übrigens in Berlin das Konzert von The Picturebrooks im SO36.

Die aufwändigste und außergewöhnlichste Show lieferte SKYND ab. Vom Outfit über die Performance hin zum Gesang, einfach alles war besonders. Ihre Musik könnte man am ehesten als düsteren Electro Metal beschreiben, die durch den Einsatz von Stimmverzerrern sehr abwechslungsreich war. Jeder ihrer Songs erzählt die Geschichte eines Verbrechers. Sie selbst sagt: „Ich will dem Bösen zu dem Menschen fähig sind, so nahe wie möglich kommen. Ich bin davon besessen. Seit Wochen, ja sogar Monaten versuche ich, in die Köpfe der bösartigsten, grausamsten Mörder zu gelangen. Es gibt nichts Faszinierenderes für mich als Menschen, die an die Grenze ihrer Menschlichkeit gelangt sind“.

TAG 2: 

Nach einer sehr sehr kurzen Nacht starteten wir bereits um 12:30 Uhr mit dem ersten Konzert. Das sympathische Trio I See Rivers aus Norwegen spielte ein 20-minütiges Set in der Coffee Company. Wie der Name schon vermuten lässt, handelte es sich um kein Konzert-Venue, sondern um ein kleines Café. Da dieses seinen Betrieb während der Konzerte nicht eingestellt hat, war es insgesamt sehr unruhig. Allerdings gab es uns die Möglichkeit viele Acts die wir am Abend auf Grund von Überschneidungen nicht sehen konnten, doch noch erleben zu können.

Auch wenn wir Friedberg letztes Jahr bereits in Berlin gesehen hatten, wollten wir uns ihren Auftritt nicht entgehen lassen. Das Quartett spielte in der extra für das Festival errichtete Hooghoudt Barn. Da wir etwas zu spät kamen hatten wir Mühe uns durch das Publikum nach vorne zu kämpfen. Friedberg sorgten aber für eine ausgelassene Stimmung und hatten sichtlich Spaß auf der großen Bühne.

Die größte Überraschung des Tages war wohl Vita Bergen. Die Songs die wir vorher kannten, gingen eher in Richtung Electro Pop mit weiblichem Gesang. Die Musik, die wir aber dann im Forum Groningen erlebten, war so viel rockiger als erwartet. Und auch den Hauptgesang hat Multi-Instrumentalist William Hellström selbst übernommen. Unterstützt wurde er von fünf anderen Musikern (u.a. Tuva von Pale Honey). Sein Tambourin überlebte nicht lange und lag irgendwann kaputt auf dem Boden nachdem er es immer wieder viel zu kraftvoll gegen seinen Oberschenkel geschlagen hat. Und da er sein Keyboard umgeschmissen hatte, musste er es dann auf dem Boden sitzend bedienen.

TAG 3:

Unser Highlight des letzten Tages hätten wir beinahe gar nicht gesehen, denn zur offiziellen Show von teepee hatten wir bereits andere Pläne. Recht kurzfristig entdeckten wir dann allerdings, dass sie am Nachmittag noch ein volles Set bei einer Reception der mittelosteuropäischen Delegation spielten. Und wir hätten nicht glücklicher sein können. Das tschechische Dream-Pop-Indie-Folk-Duo teepee entführte uns nicht nur mit ihrem Song „parallel worlds“ in eine andere Welt. Tereza und Mason zogen uns beide sofort mit ihren gefühlvollen Stimmen in ihren Bann.

Es ist ja kein Geheimnis, dass es uns die irischen Acts besonders angetan haben und so haben wir auch beim ESNS viele gesehen. Nachdem wir den Auftritt von Kitt Philippa bei der Ireland Music Week nach nur einem Song verlassen hatten, weil das Publikum einfach zu laut war, haben wir beim ESNS einen zweiten Versuch gestartet. Die aus Nordirland stammende Sängerin spielte in der wunderschönen Lutherse Kerk und diesmal passte einfach alles.

Der letzte Act den wir uns beim ESNS Festival anschauten, waren The Gluts aus Mailand, Italien. Sehr energiegeladener Psychedelic Noise-Punk zu dem das Publikum ausgelassen rockte. Es war laut, es war wild und mehr braucht man dazu eig. auch gar nicht sagen. Für uns ein perfekter Festival-Abschluss.

FAZIT

Für uns steht fest: kein ESNS mehr ohne uns! Denn Groningen ist eine wunderschöne Kleinstadt mit unglaublich vielen Konzertlocations die (größtenteils) alle schnell zu Fuß erreichbar sind. Das Lineup war qualitativ sehr hochwertig und abwechslungsreich. Zeit für die Konferenz und Verleihungen blieb leider nicht und auch das Showcase der niederländischen Bands konnten wir diesmal leider nicht besuchen. Einige Shows waren übrigens sogar für Besucher ohne Festival-Ticket frei zugänglich. Es lohnt sich also auch ohne Festival-Ticket zum ESNS nach Groningen zu fahren. Wir zählen schon die Tage bis zur nächsten Ausgabe…

Fotos: Chux On Tour Photography

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