Interview // Kaiser Chiefs: „Duck“

Kaiser Chiefs Duck

Wegen ihrem Hit „Ruby“ 2005 kennt sie wirklich jeder. Inzwischen haben sie ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht, mit dem sie gerade auf Tour sind. Wir haben die Kaiser Chiefs für ein Interview getroffen, um mit ihnen über das neue Album „Duck“ und ihre Entwicklung über die letzten Jahre zu sprechen. Die Band aus Leeds ist seit 15 Jahren weltweit unterwegs, woher haben sie ihre Energie? Und wie schaffen sie es, zwischendrin ihre Songs zu schreiben? Die kurze Antwort: Sie lieben was sie tun und bekommen auch genau das von ihren Fans zurück.

Ihr seid ja bereits seit Wochen auf Tour, was ist euer Geheimnis?

NICK: Die UK Tour war super – die ersten Shows waren direkt ausverkauft, wir hatten das richtige Setup, alles ist irgendwie gut gelaufen, fast zu gut. Wenn etwas schief geht, dann musst du oft mal die Set-List ändern, aber diesmal hat alles von Anfang an geklappt. Wir kennen unser Set, wir wissen, dass es funktioniert und wir wissen auch, was das Publikum mag. Das hilft dabei, die Energie beizubehalten.

RIX: Das Publikum ist großartig. In England waren die Shows größer, aber auch die europäischen Shows sind sehr energiegeladen. Gestern Abend in Österreich sind wir auf die Bühne und das Publikum hat zunächst nicht so richtig mitgemacht, nicht so reagiert wie wir dachten. Und ich dachte mir, „Oh das ist komisch,“ weil wir komplettes Vertrauen in unser Set haben. Wir spielen es seit Wochen, also wusste ich, das wird schon. Und am Ende sind alle rumgesprungen und haben mitgesungen. Ich finde, es ist fast besser, wenn du ein bisschen dafür arbeiten musst.  

Unterscheidet sich das Publikum von Land zu Land?

NICK: Ich finde, es ist relativ gleich insgesamt, aber es gibt natürlich Verschiedenheiten. In Südamerika zum Beispiel, da sind sie von Anfang an etwas verrückter und haben die ganze Zeit viel Spaß. Auf dieser Tour haben wir in UK, Frankreich, Spanien, Italien und Österreich die gleichen Songs gespielt und bekommen überall in etwa die gleiche Reaktion.

Es gibt aber eine witzige Geschichte über Österreich, die ich gerne erzählen möchte. Wir haben irgendwann an Halloween in Wien gespielt, vor über zehn Jahren. Also haben wir uns Kostüme gekauft und verkleidet, mit Skelett Kostümen und allem. Als wir auf die Bühne sind, da war die Reaktion der Menge „Warum tragen die denn Kostüme??“ – als ob ihnen noch nie jemand gesagt hätte, dass man sich an Halloween verkleidet. Es ist wohl kein großes Ding dort, aber vielleicht haben wir es ihnen näher gebracht. Sie waren bis zum Ende verwirrt, aber sie mochten Ruby.

„Ruby“ ist immer noch euer größter Hit in Österreich und Deutschland, wärt ihr den Titel „Die Band von Ruby“ gerne los?

BEIDE: Nein, überhaupt nicht.

RIX: Das wäre, als ob Elton John sich ärgern würde, dass man ihn von seinen Hits aus den 70ern kennt. Und er produziert auch immer wieder neue Songs. Wir haben einen tollen Katalog auf den wir stolz sind und produzieren trotzdem auch neue Lieder. Und wir sind natürlich nicht enttäuscht, wenn der Lieblingssong der Fans weiterhin „Ruby“ ist.  

RIX: Wir haben auch andere Songs, die in England bekannter sind.

NICK: „I Predict a Riot,“ zum Beispiel.

RIX: Wir haben in Deutschland bei einer Chart-Fernsehshow mitgemacht, „Ruby“ war dort wirklich ein großer Hit. Aber wenn wir „I Predict a Riot“ spielen, singt das Publikum oft den Riff mit. Das haben sie schon länger nicht mehr gemacht, aber bei dieser Tour jetzt wieder. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.

Kaiser Chiefs – Nick (links) und Rix – Foto: Sissi

Inwiefern habt ihr euch seit Ruby weiterentwickelt?

NICK: Das ist jetzt 14 Jahre her. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Wir haben alle unser Leben gelebt, das war ein Song, der es uns ermöglicht hat, eine Band auf Tour zu sein. Wir waren seitdem sehr viel unterwegs und haben gerade unser siebtes Album herausgebracht. Also haben wir uns wohl in die richtige Richtung entwickelt, wenn wir immer noch hier sind. Nach 15 Jahren weiß einfach jeder, was er zu tun hat. Wir wissen, wer die Kaiser Chiefs sind, es wird dein Lebensinhalt. 2004 oder 2005 hat sich für uns sehr viel verändert, seitdem sind wir eigentlich ständig auf Tour.

RIX: Wenn du etwas anfängst, dann ist das zunächst Instinkt. Wenn du unsere Show 2004 gesehen hast, dann war das 99% Energie. Heute sind wir alle besser in dem, was wir tun. Wir sind eine bessere Band, wir spielen besser, wir singen besser und die Lieder sind mehr durchstudiert. Aber nicht auf eine schlechte Art, eher so, dass wir das Ganze interessant halten müssen. Also machen wir jetzt neue Sachen. Das sechste Album war anders als die davor, in diesem (siebten) Album wollten wir jetzt wieder zurückkommen und gleichzeitig eine neue Version der Kaiser Chiefs kreieren. Alles in allem sind wir älter geworden und mit dem Alter verändert man sich. 

Euer neues Album heißt „Duck.“ Gibt’s dazu eine Geschichte?

RIX: Beim sechsten Album wollten wir etwas machen, bei dem es egal war, ob es von uns kommt. Es waren einfach gute Songs, die die Menschen verbinden, auch wenn sie nicht nach den Kaiser Chiefs klingen. Aber bei diesem wollten wir wieder wie wir klingen. Wie wir 2019 und nicht 2005, wir wollten nicht einfach eine Kopie von Employment machen. Das war schwieriger als gedacht, es sind einige Dinge passiert zwischendrin, es war manchmal auch etwas dramatisch. Aber das Endergebnis hat uns gefallen, es ist ein durchgehend wirklich starkes Album. Mir gefällt auch das Design und dass es „Duck“ heißt, ich finde das witzig.

Wo kommt denn der Name her?

NICK: Das war ein Wort, das bei den Proben in den Raum geworfen wurde. Es war erst ein Witz, ein Projektname. Aber dann hat niemand einen anderen Vorschlag gemacht und keiner wollte den Namen ändern. Und warum sollten wir nach einem Jahr Arbeit den Namen einen Monat vor der Veröffentlichung ändern?  

RIX: Jeder fand den Namen gut.

NICK: Das ist meine Erfahrung mit der Band. Manchmal nimmt etwas seinen Lauf. Entweder ist es Magie oder einfach Harmonie.

RIX: Andere Alben haben wir in letzter Minute umbenannt und bei manchen bereuen wir es. Bei diesem wollten wir die Frage, warum es heißt wie es heißt, nicht beantworten müssen, aber jetzt fragen alle: „Aber wieso?“ Das ist, wie wenn man seinem Hund, seiner Katze oder seinem Fisch einen Namen gibt. Es heißt „Duck,“ weil es sich wie der richtige Name dafür anfühlt.

Folgt ihr einem bestimmten Zeitplan? Ihr habt sehr regelmäßige Tour- und Album-Abstände.

NICK: Das ist einfach der Zyklus; aufnehmen, Tour, aufnehmen, Tour. Manchmal sind die Pausen dazwischen länger, manchmal kürzer. Wir haben oft die Gelegenheit, live zu spielen, also gibt es zwischen den Aufnahmen auch Live Shows. Manchmal schreiben wir Montag bis Freitag, spielen am Samstag und gehen am Montag zurück ins Studio.

RIX: Ich denke es ist gut, ab und zu live zu spielen, während du neue Songs schreibst. So verlierst du den Abstand zur live Show nicht, worin wir am besten sind. Wir sind nicht so gut im Songs schreiben, wenn wir auf Tour sind. Also müssen wir uns dafür extra Zeit einräumen.

NICK: Wir haben darüber nachgedacht, eine Pause zu machen, aber wir sind grundsätzlich lieber beschäftigt. Es wird sonst schnell langweilig.

Wie können wir uns euren Songwriting-Prozess vorstellen?

RIX: Abgesehen von Ricky leben wir jetzt alle wieder am gleichen Ort (Leeds). Wir haben feste Tage, an denen wir ins Studio gehen und Songs schreiben. Als jeder woanders gelebt hat, hatten wir manchmal wochenlang gar nichts, dann wieder ein paar Tage schreiben, dann wieder wochenlang nichts. Sogar auf diesem Album gibt es einen Song, „Frasier,“ den wir geschrieben haben, als Ricky auf Menorca und wir in Leeds waren. Fernbeziehungs-Songschreiben. Jemand hat eine Idee, wir machen ein Lied daraus.

NICK: Jeder hat immer wieder kleine Ideen. Die meisten Songs starten mit diesen, es ist nie ein ganzer oder sogar halber Song. Es gibt Teil A und Teil B und wir spielen mit allen ein bisschen. White spielt Gitarre, ich spiele eine Keyboard Line, wir finden etwas gut, dann nehmen wir den Song wieder auseinander, trinken Tee, denken darüber nach und kommen darauf zurück.

RIX: Manchmal wird uns der Tee zum Verhängnis, du trinkst ihn und beendest nie den Song.  

Was bringt die Zukunft für die Kaiser Chiefs?

NICK: Ich denke der Grund, warum wir noch hier sind und mit euch sprechen, ist, dass wir eine gute Live Show spielen. Das geben wir unserem Publikum und eine entsprechende Reaktion bekommen wir zurück. Das haben wir uns hart erarbeitet. Also hören wir damit auch nicht auf. Andererseits haben wir sieben Alben veröffentlicht. Vielleicht brauchen wir eine kurze Pause. Wir sind ja nicht mehr 27, wir sind… eher 30. (Beide lachen)
Also machen wir es so gut wir können, immer. Und dieses Jahr wird großartig, jetzt die Tour und im Sommer dann Festivals.

RIX: Ich glaube, keiner von uns ist bereits für KC8, aber wir brauchen nur ein bisschen Zeit, in der uns langweilig wird.

NICK: Es könnten drei Wochen sein, bis wir sagen „Das reicht, mir ist langweilig,“ oder auch drei Monate. Musik und die Musikindustrie hat sich verändert, seit wir angefangen haben.

RIX: Als wir unsere ersten Alben veröffentlicht haben, waren CDs wichtig. Dann kam digital und illegale Downloads. Dieses Album ist das erste, bei dem Streaming wirklich wichtig ist. Vielleicht veröffentlichen wir unser nächstes Album einfach als Wellen in der Luft. Du weißt nie, was passiert. Wir schreiben einfach Songs und schauen dann.

NICK: Letztendlich braucht jeder Musik und das wird sich auch nicht ändern.

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