Interview // Blond über ihre Martini Sprite Tour

Interview Blond Martini Sprite

Die drei Chemnitzer, Nina (22), Lotta (21) und Johann (23) der Band Blond waren im Februar auf ihrer ersten eigenen Tour mit ihrem Debütalbum „Martini Sprite.“ Der Dresscode ihrer Shows, der streng befolgt wurde, war „schick“ – die Besucher hatten Abendkleider an und Glitzer im Gesicht, die Jungs silberne Bomberjacken wie bei David Bowie. Dazu gab es Moshpits, es wurde laut mitgesungen. Mit ihren regelmäßigen Outfitwechseln, Tänzern und dem Chor waren die Shows viel mehr als nur ein Konzert. Wir waren auf ihrem zweiten Konzert der Tour in München im Hansa 39 dabei. Im Interview erzählt uns Nina von Blond von ihren Highlights und was sie jetzt nach der Martini Sprite Tour machen.

Ihr wart gerade auf eurer ersten eigenen Tour. Was macht ihr denn jetzt, danach?

Jetzt langweilen wir uns, was machen wir denn jetzt? Eigentlich hätten wir gerade ein bisschen Pause vor den Festivals. Die fangen dann im April schon wieder an, mit vereinzelten Konzerten. Wir wären in den Urlaub gefahren, da weiß ich auch gar nicht, ob das jetzt geht. Wir wollten nach Griechenland, nach Thessaloniki. Jetzt gerade proben wir ganz normal, so wie immer, aber wir wissen nicht, ob sich das Verschieben auch auf die Festivals auswirkt.

Wie war das, auf eure erste eigene Tour zu gehen? Was waren die Highlights?

Das war ja die erste richtige Headliner-Tour, die wir gespielt haben, mit dem Album. Viele Konzerte waren ausverkauft oder es haben nur noch ganz wenige Tickets gefehlt, bis es ganz ausverkauft gewesen wäre. Wir haben immer vor vollem Haus gespielt. Das war schon krass. Und dann haben die Leute auch super krass mitgemacht, es gab Moshpits und alle hatten übelst Bock und haben sich extra schön angezogen. Sie hatten Glitzer im Gesicht und konnten unsere Texte auswendig. Wir waren ja bisher immer nur die Vorband. Auf der Bühne ist mir dann aber eingefallen: „Ey Nina, du bist nicht die Vorband, nach dir spielt niemand mehr. Du bist jetzt die Hauptband. Die sind alle wegen euch da.“ Ich konnte das gar nicht so fassen, dachte wir spielen wie immer ein bisschen Support. Das war total aufregend.

Blond-Fans in München – Foto: Sissi

Wir waren zu 16. unterwegs, hatten drei Chorleute und zwei Tänzer mit dabei. Einer war extra da, um uns beim Umziehen zu helfen, weil wir ja diese Quick-Change-Kleidung anhatten. Und das Licht! Das erste Mal ein richtiges Licht-Konzept. Sehr aufregend alles, weil alles so professionell war und so gut funktioniert hat. Und trotzdem, am Ende sind das alles unsere Kumpels, die mitgefahren sind. Da kann man gar nicht erwarten, dass das so gut funktioniert. Die meisten fahren ja normal nicht auf Tour, wir haben die einfach gefragt, „habt ihr Bock im Chor mitzusingen?“ Alle haben sich an die Zeiten gehalten und waren da, wenn sie gebraucht wurden. Es war total schön, sehr beseelt. Da erreicht die Freundschaft eine ganz neue Ebene, die zur beruflichen wird. Aber das machen wir auch schon immer, wir sind so aufgewachsen, dass wir alle miteinander befreundet sind, aber auch sehr viel miteinander arbeiten in Chemnitz.

Wie ist das denn für dich, mit deiner Schwester in einer Band zu sein?

Johann kennen wir ja auch schon, seit wir 4 oder 5 sind. Er ist eine Art Bruder für uns. Insofern ist sind wir wie drei Geschwister. Ich glaube, das wäre auch in jeder Freundschaft so, dass man sich natürlich streitet, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt. Aber weil wir uns so gut kennen, können wir uns auch immer wieder zusammenraufen. Es gab mal Überlegungen, ob man nicht doch noch jemanden in die Band holt. Aber ich glaube es funktioniert nur zu dritt, weil wir so eingeschworen sind. Ich find’s sehr angenehm so.

Kommt die Affinität für Musik von euren Eltern?

Ja, das kommt auf jeden Fall von den Eltern, auch bei Johann. Seine Mutter hat schon immer im Chor gesungen und sein Vater Gitarre gespielt. Ein sehr musikalischer Haushalt, wie auch bei uns. Dazu gibt es eine Vorliebe zur bildenden Kunst und der Freundeskreis meiner Eltern, in dem auch alle Musik gemacht haben. Aber es ist auch das Atomino-Umfeld, alle haben Partys veranstaltet oder aufgelegt, haben selber in einer Band gespielt oder waren Booker. Alle hatten irgendwie mit Musik zu tun. Die Vorliebe an der Musik und an Konzerten kommt genau daher. Wir haben als Kinder vorgelebt bekommen, dass man sich trauen kann, in diese Richtung zu gehen. Wir mussten alle kein BWL studieren, unsere Eltern haben uns auch nie unter Druck gesetzt. Das ist wirklich ein absoluter Luxus, wenn du deinen Eltern nicht erklären musst, dass du dein Studium jetzt aufhörst, weil du Musik machst.

Ich studiere gerade sozusagen immer noch Medienmanagement. Da war ich auch ein und ein halbes Jahr, aber dann habe ich mir gedacht, „nee, jetzt schaffe ich’s zeitlich nicht mehr.“ Und das war auch gar kein Problem.

Wie sieht die Zukunft von Blond aus?

Ich denke, Blond erfüllt uns noch ganz lange. Und wir lieben es, auf Bühnen zu stehen. Wir werden immer mit Musik zu tun haben, auf jeden Fall. Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass man in Richtung Moderation geht oder in die Unterhaltungsbranche generell. Da sehe ich eigentlich jeden einzelnen von uns dreien. Ich weigere mich grundsätzlich, weiter in die Zukunft zu gucken, als bis zu einem Jahr. Ich sag immer, ich darf das noch, ich bin ja erst 22.

Wie ist euer Songwriting Prozess? Wie kam der Wechsel von zunächst englischsprachigen Texten zu deutschen?

Meistens fällt mir in einer Situation eine Thematik ein, die ich mir aufschreibe und über die ich irgendwann einen Song schreiben möchte. Dann ist bei uns immer erst das Musikalische da, das Instrumentale. Dann gucke ich, was ich für Themen habe, die mich interessieren und schreibe darauf einen Text. Es kommt darauf an, was das Instrumental für eine Stimmung hat und was darauf passt. Es ist ein Prozess, bei dem alle etwas zu sagen haben. Ich stelle niemanden vor vollendete Tatsachen und der Text kann immer noch geändert werden.

Johann sagt, und das ist sehr lobenswert, dass unsere Texte keine Frauenthemen sind. Sowas gibt’s ja auch nicht. Auch wenn er nicht selber blutet, dann ist das natürlich trotzdem ein total interessantes Thema.

Die Hälfte des jetzigen Albums war zunächst auf Englisch. Mir ist aufgefallen, dass ich mich einfach nicht getraut habe, auf Deutsch zu singen. Es ist entblößender, bestimmte Themen auf Deutsch zu singen. Dann hatte ich aber keinen Bock mehr, mich das nicht zu trauen. Wir haben gesagt, komm wir machen alles auf Deutsch bei Martini Sprite. Zum Beispiel der Song, „Es könnte grad nicht schöner sein,“ über die Periode war am Anfang auf Englisch. Es ist viel besser, bestimmte Sachen in unserer Muttersprache und nicht durch die Blume anzusprechen und keine Floskeln oder Phrasen zu verwenden. Das liegt uns viel besser im Deutschen. Auch der Humor, oder die Art, Humor zu verpacken, ist natürlich viel, viel schöner auf Deutsch. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir für immer eine deutsche Band bleiben. Wer weiß, was die Zukunft bringt, ich weiß es nicht.

Findest du es tendenziell schwieriger, Texte auf Deutsch zu schreiben?

Ich habe gemerkt, dass man denkt, Englisch klingt schöner. Das ist auch so, wenn man ein paar englische Wörter aneinander reiht. Aber irgendwie gefällt mir das Deutsche, das Kühle. Im Deutschen kann ich auf jeden Fall viel direkter Situationen behandeln. Im Englischen bin ich fast schon in die Poesie reingerutscht, was ich gar nicht wollte. Ich weiß nicht, was schwieriger war, aber ich lese über einen deutschen Text natürlich hundert Mal öfter drüber, als über einen englischen.

Habt ihr musikalische Vorbilder? Woher kommt euer Einfluss?

Wir haben alle drei einen relativ unterschiedlichen Musikgeschmack. Johann feiert Instrumentalmusik und Gitarren-Rockmusik. Lotta hört sehr gern sehr, sehr, sehr poppige Sachen. Ich mag sehr gerne Deutschrap. Aber ich mag gerade die Mischung der unterschiedlichen Einflüsse bei uns. Wir haben nicht alle das gleiche Vorbild, aber in der Art, wie man überhaupt auf eine Bühne gehen kann, ist das Peaches. Wir haben sie vor zwei oder drei Jahren mal live gesehen in Leipzig und haben festgestellt, dass sie zwar Musik macht, aber das ist kein Konzert mehr, das ist viel mehr. Das ist eine richtig krasse Show mit umziehen, mit Tänzern, mit Kulisse. Da wussten wir, dass wir das auch wollen. In dem Sinn war Peaches ein Vorbild, das uns gezeigt hat, man muss nicht nur einfach ein Konzert spielen.

Lotta, Johann und Nina nach der Show – Foto: Sissi

Ihr habt für jede Show die gleichen Kleider an, wie ist das, wenn man immer das gleiche tragen muss und vielleicht doch mal ein Bier darauf auskippt oder einfach schwitzt?

Wir reißen die Klamotten ja weg, die beiden obersten Lagen gehen also, weil wir die nicht so lange tragen. Die unterste Lage ist ein sehr angenehmer Stoff, den man einfach in die Waschmaschine hauen kann. Aber die Klamotten, die wir letzten Sommer anhatten, das waren nur zwei Lagen, die haben wir kein einziges Mal gewaschen, die ganze Festivalsaison über. Das waren auch die gleichen wie bei der Von Wegen Lisbeth Tour. Da haben wir gesagt, wir geben euch 100 Euro, wenn ihr daran riecht. Die haben schon sehr gestunken.

Wer designt eure Outfits?

Wir haben Freundinnen in Berlin, die eine Schneiderei haben. Die machen alle eine Ausbildung zur Kostümschneiderei und haben uns die Kleider für den Sommer und für die letzte Tour geschneidert. Das ist der absolute Traum, man geht hin und sagt: „Könntet ihr euch das, das und das Kleid vorstellen?“ Man schickt ein paar Fotos von Instagram und sagt, „das Kleid ist mega cool“ und dann schneidern die einem das nach und man kann dazu selbst sagen, was man haben möchte. Das hätte ich als Kind im Traum nie gedacht, dass ich mal an den Leib angefertigte Kleider bekomme.

In Sanifair Millionär erzählt ihr von dem Leben unterwegs auf Tour. Wie ist das denn mit den Hygienemaßnahmen auf der Autobahn während der aktuellen Coronavirus-Lage?

Na, jetzt erstmal sind wir ja leider nicht mehr unterwegs. Aber wir haben auf Instagram ein Story Highlight, das sich Raststätten-Experten-Dings nennt und, das kann man sich in Corona-Zeiten jetzt abgucken, das zeigt, wie man Türklinken drückt und Toilettenspülungen mit dem Fuß betätigt, so dass man ja nicht seine Hände benutzen muss. Darin sind wir Profis. Ich denke, alle die uns folgen und wir sind fern vom Corona-Befall, weil wir eigentlich niemals unsere Hände verwenden, wenn es um Türklinken geht.

Gibt es Künstler, mit denen ihr in Zukunft gerne kollaborieren möchtet?

Lotta hat neulich erzählt, sie würde gerne mal mit Lizzo zusammenarbeiten. Obwohl, ne, Lotta wollte, dass Lizzo einen Song von uns covert. Aber eine ganz andere Musikrichtung, das wäre bestimmt interessant. Scooter oder so, was vermeintlich eine ganze Ecke weg ist. Wir sind offen.

Welchen Song von eurem Album mögt ihr selbst am liebsten?

Wir mögen alle Songs vom Album und dann hat jeder noch seine Lieblinge. Live spielen wir gerade sehr gerne „Es könnte grad nicht schöner sein,“ „Thorsten“ und „Kälberregen.“ Die scherbeln richtig rein live. Das Licht ist geil, es ist richtig laut, die Leute machen Moshpits, es sind auf-die-Fresse-Songs. Live machen die schnelleren Lieder mehr Spaß. Ich höre privat gerne mal traurige Musik. „Match“ finde ich total schön, wenn man das über seine eigene Musik sagen darf. Ich glaube das ist mein Lieblingssong vom Album.

Hast du zum Abschluss noch eine Musikempfehlung für uns?

Der Song ist ewig alt, aber ich habe letztens ein Buch gelesen, in dem es um Kesha ging. Die hatte damals ihren Produzenten wegen Missbrauch angezeigt, dann wurde es eher still um sie und sie hat sich zurückgezogen. Nach Jahren hatte sie wieder einen Auftritt, bei dem sie einen Song gespielt hat, der Praying heißt. In diesem Song geht es darum, dass sie hofft, dass der, der ihr das angetan hat, bei Gott um Vergebung bittet und diese auch bekommt. Dieser Song wurde dann zur Hymne von der MeToo Bewegung. Es ist halt immer noch Kesha, aber der Song ist so super dramatisch. Ich habe mir beim Anhören vorgestellt, wie ganz viele Frauen diesen Song singen. Man muss die Vorgeschichte dazu wissen, aber ich finde ihn sehr interessant.   

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