Interview // Madsius Ovanda

Vor gut zwei Wochen erblickte das langerwartete Debüt-Album „Talking Underwater“ des neuen Indie-Duos Madsius Ovanda das Tageslicht und ab April hätten sie die Tracks eig. bei 8 Shows in Deutschland spielen sollen. Doch wie wir alle wissen, wurden alle Veranstaltungen auf Grund des Ausbruchs des Coronavirus vorerst untersagt. Aber auf jede schlechte News folgt mindestens eine gute: denn es wurden bereits Ersatztermine gefunden (siehe unten) und in diesem Interview mit Madsius Ovanda erfahrt ihr aus erster Hand Details über ihren Bandnamen, das neue Album, die Tour und weitere interessante Bits & Pieces.

Viele Künstler suchen sich ja Künstlernamen um ihre wahre Identität geheim zu halten. Warum habt ihr euch für eine Kombination eurer beider Nachnamen entschieden?

Weil wir mit der Gründung dieses Projekts beschlossen haben authentisch und echt zu sein und zu bleiben; somit haben wir für uns entschieden, bei unseren echten Namen zu bleiben. Das bewirkt auch eine gewisse Verletzlichkeit, aber wir sind letztendlich froh, dass wir den Namen so gewählt haben, weil er tatsächlich zufällig auch gut zu unserer Musik passt!

Wenn Madsius & Ovanda nicht eure Nachnamen wären (sondern eurer Fantasie entstammen würden), welche Bedeutung / Geschichte könnte dann hinter dem Bandnamen stecken?

Passend zur Musik der Name eines Parallel-Universums, dass man durch eine leuchtende Membran betritt, welche von einer riesigen langhaarigen, auf den ersten Blick etwas einschüchternden Katze bewacht wird. Man tritt ein und fliegt sofort auf einem netten und doch tiefgründigen grün-rosa gesprenkelten Drachen über dunkelgrüne Wälder, Flüsse und Bäche mit buntgefärbtem Wasser, in dem Otter mit Flamingos spielen und sommerliche Blumenwiesen. Man lässt sich nieder an Orten, wo man andere Menschen und Wesen trifft und sinnieren kann über den Sinn des Lebens und unserer Existenz oder auch einfach nur sein darf wie man ist. 

Der erste Song des Albums heißt „Home“ und der letzte „Stay Forever“. Dazwischen befinden sich z.B. „Moving Forward“ und „Wonderland“. Klingt erst einmal als würdet ihr mit dem Album eine Reise beschreiben. Tatsächlich sind es aber eher Einzelgeschichten. Oder bauen die Songs doch irgendwie aufeinander auf?

Ja, die Songs sind Einzelgeschichten und dennoch beschreibt das Album natürlich irgendwie auch einen Zeitabschnitt unseres Lebens. Wir haben uns viel Gedanken gemacht, bei der Anordnung der Songs und wollten ganz bewusst eine Art Reise gestalten. Sowohl musikalisch als auch thematisch ergibt es für uns zumindest Sinn! Ein guter Spannungsbogen ist uns wichtig, sodass man die Platte mit Genuß durchhören kann.

„Moving Forward“ & „Past Is Past“ handeln – vereinfacht gesagt – davon, schlechte Dinge hinter sich zu lassen und nach vorne zu blicken. Habt ihr die Songs in einer schweren Zeit geschrieben? Quasi als Selbsttherapie? Oder erst als ihr realisiert habt, dass ihr loslassen und es hinter euch lassen konntet?

Teils teils. Selbsttherapie ist gar nicht schlecht gesagt – wir schreiben eigenlicht fast immer über persönliche Themen, Themen die uns oder nahestehende Menschen bewegen und betreffen. Die Botschaften sind zum Teil an uns selbst gerichtet, als Erinnerung an uns selbst. Bei Moving Forward zum Beispiel: let it all go. Da wollten wir viele kleine Verletzungen, Rückschläge und Einschränkungen, Zwänge, Erwartungen von Gesellschaft, Studium, Rollenbildern hinter uns lassen. Es bedeutet uns sehr, sehr viel und ist eines unserer Hauptanliegen, dass sich auch andere Menschen damit angesprochen fühlen und Kraft, Impulse oder Inspiration durch unsere Musik und Texte finden. Deshalb haben wir beim Schreiben immer im Hinterkopf, dass wir es auch für unsere Hörer schreiben, manchmal auch vor allem für die Menschen da draußen. 

Ein Song heißt „Nachtrag“. Was hat es damit auf sich? Und warum habt ihr einen deutschen Begriff gewählt?

Wir haben lange überlegt, wie wir diesen „Nachtrag“ nennen sollen. Es war ein spontaner Arbeitstitel. Carina spielt immer wieder klassische Klavierstücke von Schumann, die zum Teil sehr malerische deutsche Titel haben. Wir sind dabei geblieben, weil wir es schön fanden, dass zumindest mit einem Wort unsere Muttersprache auftaucht und es ist eine kleine Verbindung zu unserer Vergangenheit mit klassischer Musik.

Eure Release-Tour steht kurz bevor. Wie bereitet ihr euch vor?

Wir proben die Songs und arrangieren alles so, dass es live mit voller Band (plus Schlagzeug und Bass) richtig gut klingt und den Zuhörern und uns Spaß macht. Wir verlängern manche Teile, bauen instrumentale Solos oder Klangflächen ein, in denen man schwelgen kann, sich richtig einlassen kann. Auch gibts Stellen zum mitsingen. Es ist immer schön, so mit dem Publikum in Verbindung zu treten. Für manche Konzerte auf der Tour haben wir schon tolle Überraschungen und special guests für euch vorbereitet. Vor allem in Berlin werden wir nochmal ordentlich eins draufsetzen… seid gespannt!

Worauf freut ihr euch am meisten auf Tour?

Darauf, eine spürbare Verbindung zum Publikum herzustellen und gemeinsam einen unvergesslichen und magischen, inspirierenden Abend zu gestalten.

Auch auf die gemeinsame Zeit als Band – wir lieben unsere Crew: Ludwig Wandinger an den Drums, Robin Jermer am Bass und last but not least Juan Moreno, unseren Tontechniker. Und natürlich endlich die Album-Songs live zu spielen!

Was können wir bei den Gigs erwarten?

Ein überirdisches Sounderlebnis, Grooves zum dancen, Klänge zum hinhören und meditieren, gedankliche Impulse durch unsere Texte und eine gute Menge Spaß, sowie eine heftige und tighte Rhytmusgruppe bestehend aus Ludwig und Robin.

Welchen Song performt ihr am liebsten live und warum?

Im Moment Moving Forward, weil das Publikum da immer ausrastet und außerdem Pia’s Autotune-Gesangseffekt live auf eine wirklich schräge Art ziemlich geil klingt 😀

Ihr kooperiert mit EDO GOODS. Erzählt  uns doch etwas mehr über die Zusammenarbeit und wie es dazu kam.

EDO GOODS sind unsere guten Freunde Elisa und Dirk. Sie haben mit EDO GOODS eine kleine Mode-Firma gegründet, die sich der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft verschreibt und auf moderne Basics setzt, die gender-neutral sind. Wir lieben diesen Ansatz, da uns diese Werte auch sehr wichtig sind. Von daher kam für uns erstmal nichts anderes in Frage als für unseren Merch mit EDO GOODS zusammenzuarbeiten.

Was tut ihr in Sachen Umweltschutz & Nachhaltigkeit?

Umweltschutz & Nachhaltigkeit ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir leben vegan und versuchen auch sonst unser Leben nachhaltig und umweltbewusst zu gestalten. Bei der physischen Produktion der CD haben wir zum Beispiel auf Plastik verzichtet und sie wie eine kleine Vinyl aus Papier gestaltet. Leider kann man aber das Einschweißen nicht verhindern. Ansonsten fahren wir bevorzugt mit der Bahn zu Einzel-Konzerten. In unserem Rider steht auch, dass wir auf Einweggeschirr verzichten. Wir bemühen uns, bewusst und wenig zu konsumieren. Unser Mastering Engineer Zino Mikorey, der Talking Underwater gemastert hat, pflanzt sogar für jedes Master einen Baum!

Carina, wir haben bei Instagram gesehen, dass du scheinbar auch zeichnest. Können wir da künftig mehr erwarten? Artwork für Plattencover oder Merch z.B.?

Carina: Ui, ja das stimmt! Ich zeichne total gerne und wollte auch mal Kunst studieren. Wir hatten schonmal drüber nachgedacht und wer weiß, vielleicht ist es beim zweiten Album soweit!

Was habt ihr für 2020 sonst noch so geplant?

Im Sommer freuen wir uns auf ein einige Festivals wie das SNNTG Festival in Hannover! Ansonsten gehen wir im Herbst wieder auf Tour.

Neue Musik dürft ihr auch erwarten! Spätestens im Herbst wird’s eine neue Single geben. Ein zweites Album ist bereits in Planung.

Außerdem haben wir noch eine live-Session von Moving Forward in petto, die ganz bald rauskommen wird.

Und last but not least: Welche neuen Bands sollten wir momentan auf dem Schirm haben?

Unsere Freunde von SALOMEA bringen bald ihr zweites Album raus, das solltet ihr auf jeden Fall hören! Außerdem können wir die Künstlerin Salami Rose Joe Louis empfehlen. Sir Was ist auch toll, der geht jetzt mit Little Dragon auf Tour! Ganz spannend ist auch Obongjayar. Puh, es gibt so viele!

Tour-Termine September 2020

13.9. Häkken, HAMBURG
14.9. Club Subway, KÖLN
15.9. Milla, MÜNCHEN
16.9. Blok, NÜRNBERG
18.9. Das Haus, LUDWIGSHAFEN
22.9. Neues Schauspiel, LEIPZIG
23.9. Auster Club, BERLIN

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Titel-Bild: © Mirjam Huemmer

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