Interview // Goldroger: Diskman Antishock, Teil II

Goldroger Interview Diskman Antishock

Der 29-jährige Rapper Goldroger ist gerade in seinem Studio in Köln, als wir mit ihm telefonieren. Er sagt, das braucht er jetzt ganz besonders für seine Tagesstruktur. In knapp zwei Wochen, am 8. Mai, wird Goldroger den zweiten Teil seiner dreiteiligen Mixtape Serie Diskman Antishock veröffentlichen, über das wir mit ihm im Interview sprechen. Auch wenn gerade einige seiner Freunde nach Berlin gezogen sind und, wie er sagt, alles was mit der Musikindustrie zu tun hat in Berlin stattfindet, fühlt er sich in Köln wohl und will dort auch bleiben.

Von Sebastian zu Goldie

Seit 2015 macht der Dortmunder, der eigentlich Sebastian heißt, unter dem Namen Goldroger Musik. Mit dabei sind noch zwei Jungs, Dienst&Schulter, die seit seinem Debüt Avrakadavra seine Alben produzieren und als DJ und Gitarrist auch immer live mit dabei sind. Eigentlich ist er noch für Jura eingeschrieben, aber das wird auf kurze Sicht erstmal nichts. „Ich wollte lieber Konzerte spielen als auf Klausuren zu lernen.“ Aktuell beenden sie die Diskman Antishock Serie, gerade hat er den Song „Tesla“ veröffentlicht. Zur aktuellen Situation sagt er: „Bei uns war jetzt auch ein Shutdown, weil nicht klar war, wie wir das mit dem Studio machen. Es ist schwierig, jetzt Konzerte zu spielen, klar. Aber was wirklich schwierig geworden ist, sind die Musikvideos. Ein ordentliches Video braucht ein kleines Team. Da weiß ich nicht, ob mir das vielleicht einen Strich durch die Rechnung macht. Aber ich habe viel geschrieben und mindestens vier Songs vom dritten Teil sind fertig.“

Goldrogers Schreibblockade nach Avrakadavra

Diskman Antishock ist das Resultat einer Schreibblockade, unter der er nach der Veröffentlichung von Avrakadavra litt. „Nach Avra kamen ein paar Leute auf mich zu um mir irgendwelche Dinge in den Kopf zu setzen. Das hat mich ziemlich verwirrt und auch krass blockiert. Ich hatte das Gefühl, ich müsste jetzt eine Deutsch-Rap-Pop Platte machen. Dann hab ich konsequent einen Fick gegeben. Zwischenzeitlich hatte ich schon krass die Lust an Musik verloren. Ich mag’s überhaupt nicht, wenn mir jemand Feedback zu meiner Musik oder meinen Ideen gibt. Ich würde niemals einen Vertrag unterzeichnen, wenn mir jemand darin etwas vorschreiben würde. Da würde ich eher keine Musik machen.“

Ende 2018 hatte er auf einmal wieder einen „krassen kreativen Outburst,“ in dem er 40 Songs geschrieben hat, aus denen sich Diskman Antishock speist. Es gibt kein übergreifendes Narrativ wie bei einem Konzeptalbum, aber das macht auch gar nichts. „Es kann sein, dass es viel schlechter wäre, wenn ich das ganze Ding Album nennen würde, weil ich da eventuell ein paar gute Tracks für das Gesamtkonzept opfern müsste.“ Seinen Stil beschreibt Goldroger als „Mischung aus allem“ oder „Rap mit Gitarre.“

Musikalische Einflüsse

Gitarrenmusik war seine erste große Liebe. „Mit 11 habe ich bei uns im Keller ganz klischeehaft Nevermind von Nirvana gehört. Ich wusste gar nicht, was das ist. Ich fand nur das Cover geil und Track 1 war direkt Smells Like Teen Spirit. Punkrock war das, womit ich am Anfang connected habe.“ Zum Rap kam er dann durchs Kiffen. „Die harte Gitarrenmusik wurde mir zu stressig. Dann habe ich das erste Jan Delay Soloalbum gehört und Alpha Blondy. Von da bin ich recht schnell auf harten Deutsch-Rap und Ami-90er-Sachen umgestiegen.“

Jan Delay ist gewissermaßen ein Vorbild für ihn. „Er ist ein Producer-Rapper, der sein Ding macht und wirklich erfolgreich damit ist und er kommt auch aus einer politischen Ecke. Ich bereue es jeden Tag, dass ich angefangen habe zu rappen und nicht zu produzieren. Wenn ich meine eigenen Songs produzieren würde, dann würde ich aber nie fertig werden. Ich glaube das ist tatsächlich eine ganz schlechte Idee, ich bin super sprunghaft. Als Producer könnte ich mich so aber in verschiedene Projekte einbringen und auch Sachen machen, die ich sonst vielleicht gar nicht selbst machen würde. Aber erstmal sollte ich mich auf Goldroger konzentrieren.“

Diskman Antishock Teil 1, 2 und 3

Goldrogers Karriere geht konstant bergauf. Auch trotz der fast drei Jahre Pause zwischen Avrakadavra und Diskman Antishock I während seiner Schreibblockade ging es mit über 100 Konzerten nahtlos weiter. Er ist aber überzeugt davon, dass der Peak noch kommt. In diesem Jahr hat er sich mit dem zweiten Teil seines Mixtapes sehr auf den Festivalsommer gefreut. Dass dieser jetzt abgesagt wurde ist, wie er sagt, doof, wenn man gerade ein Album herausgebracht hat. „Aber deshalb bin ich über Diskman Antishock froh und hoffe, dass wir Teil 3 auch bald fertig machen. Dann ist das auch 2021 noch relevant. Wir wurden gefragt, ob wir den Album Release verschieben wollen. Aber ich glaube, das betrifft uns nicht so sehr wie die Künstler, die zum Beispiel auf den stationären Verkauf oder eine Promoaktion angewiesen sind.“

Rap und Politik

„Manche Leute finden es taktlos, jetzt ein Album herauszubringen. Ich hätte es taktlos gefunden, zum Beispiel direkt nach Hanau ein Album zu veröffentlichen, aber finde es bei Corona nicht grundsätzlich pietätlos.“ Goldroger steht politisch positionierten Texten gespalten gegenüber. „Nach Hanau war ich auf einer Demo und dachte mir, es wird bestimmt viele Rapper geben die Anti-Rechts-Songs veröffentlichen, was am Ende aber niemandem etwas bringt und gar nichts verändert. In diesem Moment, und auch, als ich die echte Angst von einer kurdischen Omi auf dieser Demo gesehen habe, ist bei mir der Wunsch super politisch etablierte Musik zu machen deutlich kleiner geworden.“

Auf die Frage, wie er in der aktuellen Zeit aktiv bleibt, sagt er: „Ich finde, man muss im Moment gar nicht sonderlich produktiv sein, ich glaube es reicht schon wenn man versucht nicht durchzudrehen.“

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