Reingehört #17 // Deutschlandreise

Täglich werden weltweit so viele Songs und Alben veröffentlicht, da rutscht uns das ein oder andere Release schon mal durch. Und bei der internationalen Konkurrenz kommen die Veröffentlichungen aus Deutschland manchmal zu kurz. Dabei entsteht auch quasi bei uns vor der eigenen Haustür so viel tolle Musik. Und da wir aktuell nicht verreisen können, dachten wir, wir schauen mal, was für Tracks in den letzten Monaten so in Deutschland entstanden sind. Begleitet uns in dieser Ausgabe von „Reingehört“ also auf diese kleine Deutschlandreise…

TARA NOME DOYLE – Alchemy (Album)

Auch wenn es ihr Name nicht verrät, die Singer-Songwriterin Tara Nome Doyle ist in Berlin geboren. Ihre Eltern kommen allerdings aus Irland und Norwegen und plötzlich erklärt sich auch ihr Name. Alle drei Sprachen spricht und singt sie akzentfrei, wobei die neun Songs auf „Alchemy“ ausschließlich englischsprachig sind. Das Album behandelt in jeweils zwei Songs die vier Entwicklungsphasen aus der vormodernen Naturphilosophie, der Alchemie, wie sie im 20. Jahrhundert in der Traumpsychologie von C.G. Jung wiederkehrt. Klingt nach schwerer Kost, aber es lohnt sich auf die Musik der 22-Jährigen Tara Nome Doyle einzulassen. Spätestens wenn man sie live gehört hat, kann man sie nicht mehr vergessen.

JONAH – Husk My Love (Single)

JONAH sind Angelo Mammone und Christian Steenken. Ihre Single „Husk My Love“ hatten sie bereits vor einem guten halben Jahr veröffentlicht, aber wir haben sie jetzt erst entdeckt und konnten sie einfach nicht für uns behalten. Wunderschöner leichter Indie-Pop der einen die aktuelle Situation für einen Moment vergessen lässt und zum Träumen einlädt. Die Berliner beschreiben es als „ein Gedicht für eine selbstlose, reine Liebe; eine, die man nur einmal im Leben spürt“. Und wie der Song ist auch das dazugehörige Video voller Emotionen und begleitet ein junges Pärchen durch das Berliner Umland und ihre Ups and Downs.

FLUOXCITY – Positrons (Single)

2017, als sich vier Freunde in der experimentellen Subkultur trafen, an lauen Herbstnächten unter den Bahnschienen probten und gemeinsam verschiedene improvisierte Shows spielten, entstand fluoxcity. Gemeinsam schreiben sie seither Songs mit dunklen und verträumten Versen und mitreißenden Refrains. „Positrons“ ist deutlich energiegeladener als die Vorgängersongs und verbindet verspielte Big-Beat-Drums, tiefe Synthesizer-Bässe und weiblichen Rap-Gesang. Sehr erfrischend!

POOL – Still On The Run (Single+Video)

„Still On The Run“ klingt nach Sommer und der großen weiten Welt. Positive Indie-Musik mit einer kleinen Prise Disco. Und einen tollen Humor scheinen die drei Hamburger Jungs Danny, Nilo und David auch zu haben und für ihr Wild-West-Video lieben wir sie einfach. Ende März hätten sie eigentlich mit KYTES auf Tour sein sollen, aber die Termine wurden bereits in den Dezember verschoben. Ruft also schon mal euren Best Buddy an und holt euch im Dezember eine Portion gute Laune ab.

POLAROYDS – Draggin Me Down (Single)

Sängerin Anastasiya und Produzent Moritz waren früher noch als „Stacia x Wunderwald“ unterwegs und machten House-Musik. Nachdem sich ihr Stil im Laufe der Zeit aber mehr Richtung Pop entwickelt hat, haben sie dem ganzen auch einen neuen Namen gegeben. Polaroyds. Als eine Erinnerung an die schönen Momente die man mit der Kamera festhielt, aber immer mit diesem kleinen Beigeschmack, dass auch diese Erinnerungen vergänglich sind. Außerdem beschreibt dieser den Vibe ihrer Songs perfekt. Denn ihr Electro-Pop klingt zu gleichen Teilen nach 80er-Jahre-Disco-Tapes und nach dem Hier und Jetzt. Das Debüt-Album folgt im Mai.

SHI OFFLINE – Krill (Single+Video)

Das Projekt der Sängerin Alisa Tsybina und des Produzenten Gordian Gleiß hieß ursprünglich „The Other Shi“. Auch wenn das Hamburger Duo seinen Bandnamen mittlerweile zu shi offline geändert hat, sind sie ihren Electronica-Beats treu geblieben. Euch erwartet hier aber alles andere als glattgebügelter Mainstream-Electro-Pop. Sie selbst bezeichnen ihren Stil als artcore. Und wenn man sich ihre Internetpräsenz und Videos anschaut, dann weiß man sofort, warum sie sich für diesen Begriff entschieden haben. Sie sind wie ein Center Shock Kaugummi: knallig bunt, immer für eine Überraschung gut und machen leicht süchtig.

TOM PEREGRINE – Hear Your Heart (Single)

Schließt man die Augen und lauscht Tom Peregrine’s erster Single „Hear Your Heart“, wird einem direkt warm ums Herz. Der 21-Jährige Singer-Songwriter aus Naumburg (Saale) schafft es mit seiner Gitarre und seiner kratzigen Stimme uns auf eine kleine emotionale Reise mitzunehmen. Es ist ein Song über den Beginn einer romantischen Beziehung und die Art und Weise, wie sich die Gefühle während einer solchen verändern. Ob es der Anfang oder das Ende der Liebe ist, wird nur die Zeit zeigen. Produziert wurde der Song übrigens von Lucas Laufen, den Tom bereits bei einigen Shows begleitete. Wer aber die Backing Vocals übernommen hat, konnten wir nicht herausfinden.

BANGLIST – Turn The Lights Down (Video)

Streng genommen kommen Banglist zwar aus Island und Norwegen, aber da sich die 4 Freunde in Berlin gefunden haben, Banglist hier gegründet wurde und sie alle hier wohnen, können wir sie ruhigen Gewissens hier mit in diese Liste aufnehmen. Schließlich haben ein bisschen Glitzer und Glamour noch nie geschadet. Erst recht nicht, wenn einem gerade das Herz gebrochen wurde. Da ist man froh über jede Ablenkung. Und genau darum geht es in „Turn The Lights Down“, um all die Gefühle durch die man nach einer Trennung so durchgeht. Kleine Vorwarnung noch: der Song geht schnell ins Ohr und man wird ihn so schnell nicht wieder los. Quasi ein perfekte Begleiter.

NINA CHUBA – I Can’t Sleep (Single)

Die 21-Jährige Nina Chuba kommt ursprünglich aus Hamburg, hat ihre neue Heimat aber nun in Berlin gefunden. Und sie hat nicht nur ihren Wohnort geändert, sondern auch ihre Leidenschaft änderte sich: mit 8 Jahren spielte sie noch in einer TV-Show, 12 Jahre später konzentriert sie sich jetzt aber auf die Musik. Ihr Stil zeichnet sich durch urbane Pop-Hooks, Rap-Verse und elektronischen Klanglandschaften und einer gefühlvollen Stimme aus. In „I Can’t Sleep“ verarbeitet Nina Chuba ihre Todesangst, die sie, seit sie ungefähr 6 Jahre alt war, immer wieder überfiel. Über den Song sagt sie selbst: „Es geht darum, dass ich während eines Albtraums über den Tod mein jüngeres Ich besuchte und versuchte, es mit meiner eigenen ehrlichen, aber tröstenden Wahrheit zu beruhigen.“.

Titelbild: Tara Nome Doyle

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