Durchgehört // „Elegance in a State of Crisis“ von Beverly Kills

Für all die, die von unserer neuen Reihe „Durchgehört“ noch nichts gehört haben: wir haben sie ins Leben gerufen, weil wir glauben, dass hinter jedem Song eine interessante Story steckt. Wir denken aber auch, dass diese spannenden Geschichten nur erzählt werden können, wenn wir den Musiker*innen das Wort überlassen. Diesmal versorgen euch Beverly Kills mit allerlei Hintergrundinformationen zu ihrer Debüt-EP „Elegance in a State of Crisis“.

Elegance in a State of Crisis – Beverly Kills

Beverly Kills hatten wir euch ja bereits in „Reingehört“ und im „Release Day“ vorgestellt. Letzten Monat hat die schwedische Post-Punk-Band nun ihre Debüt-EP „Elegance in a State of Crisis“ herausgebracht. Sie zeigen uns, dass aus Prokrastination auch gute Sachen entstehen können. Und erzählen uns u.a. von einem magischen Klavier der Westerlund-Familie und wie ein kaputtes Delay Pedal zu „Seven Sisters“ führte.

1. Divine

Alma hatte ihren allerersten Podcast-Auftritt bei einem der größten Musikmagazine Schwedens, und sie war sehr nervös, als sie das Ergebnis hörte. Statt sich den Podcast anzuhören, zögerte sie es hinaus und spielte stattdessen auf ihrem Mikro-KORG. Und so entstand die Intro-Melodie zu „Divine“. Sie brachte sie mit in den Proberaum, wo wir die Grundstruktur schrieben. Sie wurde einige Monate später als Eröffnungsstück bei einer Show in Göteborg, irgendwann Anfang letzten Jahres, uraufgeführt. Ich glaube, seitdem haben wir nie mit einem anderen Lied eine Live-Show eröffnet.

2. New Year’s Eve

Die Geschichte von „New Year’s Eve“ beginnt irgendwann um Weihnachten 2018. Zu Hause bei Almas Eltern gibt es ein Klavier, das sie von ihrem Großvater geerbt hat und auf dem sie während ihrer gesamten Kindheit gespielt hat. Dieses Klavier scheint etwas Magisches durch sie zu kanalisieren, denn jedes Mal, wenn sie es benutzt (was heutzutage ziemlich selten ist), schreibt sie etwas, das seinen Weg zu Beverly Kills findet. Eines der Lieder, die sie auf dem Klavier der Familie Westerlund schrieb, war „New Year’s Eve“, das schließlich zwei- oder dreimal überarbeitet wurde, bevor es zu dem wurde, was es heute ist. Wir waren uns nicht sicher, ob es zur Stimmung auf der EP passen würde, aber nach einiger Überzeugungsarbeit unseres Label-Teams bei Welfare durfte es bleiben. Es ist definitiv nicht das letzte Mal, dass ihr ein Lied hört, das auf dem Klavier der Familie Westerlund geschrieben wurde.

3. I Dreamt in Commercials

Unser Bassist Viggo spricht viel darüber, wie schlecht wir unveröffentlichte/neue Songs aus unseren Live-Sets heraushalten. Sobald wir mit einem neuen Song zufrieden sind, kann es passieren, dass er sofort auf der Setlist landet und ältere Songs aus dem Set verdrängt werden. „I Dreamt in Commercials“ ist so ein Fall. Das Schreiben dauerte etwa 3-4 Stunden und gegenüber dem ersten Entwurf, den wir schnell über ein Handy aufgenommen haben, ist es fast unverändert geblieben. Das erste Mal spielten wir es bei der Premiere unseres Musik-Videos zu „In This Dim Light“ im April 2019 und das Lied erhielt so viele positive Reaktionen, dass wir beschlossen, es zu einer dauerhaften Ergänzung des Sets zu machen.

4. A Scarlet Night

Dies ist das älteste Lied auf der EP. Alma arbeitete im Sommer 2018 im Housekeeping eines der größten Hotels in Göteborg und arbeitete in vielen kurzen Schichten, sodass sie viel Freizeit hatte. Sie machte ein Demo des Intros und der Strophe auf einem Casiotone CT-460, mit einem Boss RE-20 Space Echo und einem Boss Dr. Beat Drum-Computer. Wir haben die erste Hälfte des Liedes mit einem Refrain kombiniert den John für ein älteres Lied geschrieben hatte, das wir verworfen hatten, aber da begann „A Scarlet Night“ Gestalt anzunehmen. Nach einer Zeit in der wir dachten, wir hätten „viele“ Shows gespielt, dauerte es nur einen Nachmittag, bis das ganze Lied fertig war. In Wirklichkeit hatten wir im Laufe von eineinhalb Monaten vier Shows gespielt. Auch wenn das nur ein winziger Bruchteil unserer Gesamtzahl von Shows in 2019 war, haben wir eine wichtige Tradition gelernt wenn wir viele Shows geplant haben – und zwar immer mindestens zweimal pro Woche zu proben. Einmal, um neues Material zu schreiben, und einmal, um das Set zu üben.

5. Seven Sisters

„Seven Sisters“ würde niemals existieren, wenn es nicht Johns fehlerhaftes Boss DD7 Delay Pedal gäbe. Es ging kaputt, kurz bevor wir die Bühne der inzwischen geschlossenen, aber legendären Bar PSB in Stockholm betreten wollten. Er lieh sich einen DD3 von der Sängerin/Gitarristin der sehr unterschätzten Emo-/Dream-Pop/Post-Punk-Band Bianca und verliebte sich darin. Seitdem hat er nie wieder ein neueres Modell der DD-Serie angefasst. Das Delay-Intro zu „Seven Sisters“ wurde aus heiterem Himmel geschrieben, während John damit herumspielte, nachdem er sich eines von seinem Stiefvater geliehen hatte. Hampus schrieb einen Drum Beat drum herum, und innerhalb weniger Minuten hatten wir die Hauptstruktur festgenagelt. Den Refrain schrieben wir unmittelbar danach, sodass das ganze Lied ziemlich schnell fertig war. John nörgelte allerdings immer darüber, dass das Lied vor dem Outro eine Bridge oder was auch immer brauchte. Etwa zur gleichen Zeit, als wir das Lied aufnahmen, war er dann mit der Struktur einverstanden. Bis dahin hatten wir es schon mehr als ein halbes Jahr lang gespielt.

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Titelbild: © Jakob Ekvall

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