Reingehört #18 // Das musste mal gesagt werden

Ihr kennt es sicher auch: manchmal kann man seine Gefühle oder Gedanken einfach nicht mehr für sich behalten. Sowohl die guten als auch die schlechten. Sie müssen einfach ausgesprochen werden. Entweder um sich selbst etwas einzugestehen, oder um andere auf etwas hinzuweisen. Und wenn diese Gedanken und Gefühle in Songs verpackt werden, dann sind diese meist tröstlich oder spornen einen an. In dieser Ausgabe von „Reingehört“ widmen wir uns daher den Themen die einfach mal ausgesprochen werden mussten.

GOLDA – Dear Los Angeles (Single)

Golda hatten wir kürzlich mit ihrem Vorgänger-Song „Under“ entdeckt, der uns wochenlang als Ohrwurm begleitete. „Dear Los Angeles“ ist die dritte Single der in Chicago und San Diego aufgewachsenen Künstlerin, die sich das Singen bereits mit 5 Jahren selbst beibrachte. Dass sie damals mit Operngesang anfing, hört man ihren Songs nicht unbedingt an. Sehr bewegend sind sie aber dennoch. Ihre markante Stimme steht bei der Ballade „Dear Los Angeles“ im Mittelpunkt und fesselt einen vom ersten Ton. Wer es etwas poppiger mag, der sollte unbedingt in „Under“ reinhören.

EIXO – Survive feat. Boogie (Single)

Auf Grund der aktuellen Einschränkungen durch COVID-19 fühlt es sich momentan so an, als würde man nur noch überleben, statt richtig zu leben. Deshalb können wir uns vermutlich auch so gut mit diesem Song identifizieren. „Survive“ entstand aus den Erfahrungen eines engen Freundes des Songwriters Gunther Fischli, der sechs Jahre im Gefängnis saß. Er verbrachte lange Zeit in Einzelhaft, und viele der Texte stammen aus gemeinsamen Gesprächen. Die erst sanften und dann dynamischen Gitarren- und Synthie-Klänge geben Hoffnung und Kraft. Der Rap-Part von Boogie ist eine überraschende Ergänzung zur klaren Stimme der neuen Leadsängerin Mackenzie Judd.

BAUM – Fuckboy (Acoustic) (Single)

Zugegeben, wir kannten die Originalversion von „Fuckboy“ gar nicht. Aber die Acoustic-Version hat es uns besonders angetan, denn sie geht einem dank ihres rohen Sounds direkt unter die Haut. Gleichzeitig kann man sich auch gut vorstellen, wie der Track von BAUM in der ausproduzierten Version klingen mag. Stimmlich wie musikalisch erinnert uns „Fuckboy“ ein wenig an Vérité, kein Wunder also, dass er bei uns ab sofort in Dauerschleife läuft. Und die Message supporten wir auch: BAUM wirft die Geschlechter-Stereotypen mal eben über den Haufen und singt aus Sicht eines weiblichen Fuckboys, denn nicht alle Frauen sind immer auf der Suche nach der ewigen Liebe.

FARR – Heal Me (Single)

Das transatlantische Duo FARR hat in der Zwischenzeit mit „Wildflowers“ zwar bereits einen neuen Track rausgebracht, aber „Heal Me“ war der Song, mit dem sie uns gekriegt haben. Elektro meets Soul meets Pop. Ein wirklich spannender Mix, wie wir finden. Geschrieben wurde der Love-Song von Sänger Roméo als er zum ersten Mal für längere Zeit alleine auf Reisen war und in London seine Liebsten aus LA vermisste. Auf diesem Trip traf er dann auch die andere Hälfte von FARR, Produzent Linden Jay. Im März waren sie übrigens mit niemand geringeren als Kelis auf Europa-Tour und spielten auch in Berlin (wie konnten wir das bloß verpassen?). Hoffentlich haben wir bald wieder die Möglichkeit auf Konzerte zu gehen, denn die beiden Jungs liefern sicher eine tolle Show ab! Bis dahin können wir die Zeit nutzen und noch schnell die Lyrics vom neuen Album „Weightless“ auswendig lernen.

THEMME FATALE – Tired (Single)

Themme Fatale ist ein nichtbinärer, geschlechts- und genreloser Artist aus den USA. In „Tired“ geht es darum, seine inneren Kämpfe vor der Außenwelt zu verbergen und um den Versuch sich auch in den dunkelsten Zeiten nichts anmerken zu lassen. „Ich bin ok, nur müde“ ist dann eine häufige Antwort von Personen die unter Depressionen leiden oder gerade eine schlechte Zeit durchmachen, wenn sie gefragt werden, ob es ihnen gut geht. Dieses Lied ist eine Art Gespräch zwischen diesen beiden Seiten, äußerer Ausdruck vs. innerer Aufruhr. Tut uns den Gefallen und achtet auf euch und eure Freunde und das nicht nur während des aktuellen Mental Health Awareness Month.

BLONDAGE – I Love Music (EP)

„I Love Music A Little More Than I Love You“. Harte Ansage von Blondage, aber irgendwie können wir es auch ein bisschen nachvollziehen. Wahren Leidenschaften muss nachgehen, egal wie unvorhersehbar die Reise manchmal sein mag. Geschrieben in einer Zeit der Selbstfindung und des Übergangs, ist die EP eine Befreiungserklärung und ein Mittelfinger an die gesellschaftlichen Erwartungen, eine anständige Frau sein zu müssen. Hinter Blondage’s Power-Electro-Pop steckt übrigens die Dänin Pernille Smith-Sivertsen, die das Projekt nun ohne Esben Andersen weiterführt.

HAZLETT – Easy Now Tiger (Single)

Ein schüchterner Australier zieht nach Stockholm. So fängt die Geschichte von Hazlett an, der vor seinem Soloprojekt nur hinter den Kulissen als Ghostwriter arbeitete. Mit seiner neuesten Single „Easy Now Tiger“ überzeugt er ein weiteres Mal und macht uns sehr neugierig auf die anstehende EP „Thundering Hopes“. Der Track ist seine Ode an die Romantik einer Fernbeziehung. Ein Song über die vielen kleinen Momente in denen man an seine bessere Hälfte denkt und weiß, dass es ihr genauso geht und über die positive Nervosität die einen überfällt, wenn man ins Flugzeug steigt, um sich endlich wiederzusehen.

ROSES & REVOLUTIONS – i don’t have feelings anymore (Single)

Bevor Roses & Revolutions mit dem Songwriting begannen, entwickelten sie ein loses Märchen mit Illustrationen, um die Vision für ihre EP „Under the Spell“ visuell festzuhalten. Und genauer betrachtet unterscheiden sich Songs eigentlich gar nicht so stark von Märchen. Auch sie erzählen Geschichten, die manchmal geschönt oder auch mal verzerrt sind und fügen sogar noch eine weitere Komponente – den Sound – hinzu. Der letzte Song auf der EP – „i don’t have feelings anymore“ – hat es uns irgendwie besonders angetan. Ein wunderschöner intimer Piano-Song, der sich mit dem Gefühl der Taubheit beschäftigt, Momente in denen man irgendwie gar nichts fühlt.

LUZ – I’m Lonely (Single)

Einsam fühlen sich in diesen Tagen vermutlich viele. Dies ist aber nicht der Grund, warum wir uns so in die Musik von Luz verliebt haben. Und da sind wir nicht allein. Die erst 19-Jährige Irin mit der unglaublich warmen Stimme startete – wie viele andere auch – mit Cover-Songs. Das erste Cover das Wellen schlug war Dean Lewis‘ „Lose My Mind“, denn nur kurze Zeit nach Veröffentlichung eröffnete sie sein Konzert in Dublin. Sie coverte auch einen Lewis Capaldi Track und wurde prompt von ihm persönlich zu seinen Irland-Shows eingeladen. Mit ihren eigenen Songs beweist sie nun auch ihr Songwriting-Talent. Und wenn nicht noch mal was dazwischenkommt, tourt sie im Oktober mit JP Saxe durch Europa und macht am 15. Oktober auch einen Halt in Berlin!

GRAE – Slow Down (Single + Video)

Die aus Toronto stammende GRAE greift in „Slow Down“ ein ähnliches Thema wie BAUM auf. Geschrieben hat GRAE den Song als sie realisierte, dass sie in einer Beziehung steckte, die keine Tiefe hatte, sondern nur auf körperlicher Anziehung basierte. Und was macht man als Künstlerin mit dieser Erkenntnis? Genau, man schreibt einen sanften und verführerischen Track der erkundet, wie man der Versuchung nachgibt und sich in die Intimität stürzt. Begleitet wird der Song von einem Video, welches GRAE zunächst in einem Jazz Club zeigt wie sie von einem Beobachter angeschmachtet wird. Es steckt voller Anspielungen, aber so richtig explizit wird es nicht. Eine NSFW-Warnung braucht es daher nicht (wäre im Home Office allerdings wohl eh egal).

Titelbild: golda

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