Ich persönlich mag Black Metal vor allem dann, wenn er atmosphärisch, mit vielen ruhigen und instrumentalen Passagen und offen für Genregrenzen ist. Atmospheric Black Metal oder Post Black Metal könnte man dazu jetzt auch sagen. Mit Karg und Ellende standen beim diesjährigen Baphofest in der Würzburger Posthalle gleich zwei Acts auf der Bühne, die genau für diese moderne, atmosphärische Auslegung von Black Metal stehen.
Baphofest Würzburg: Atmosphärischer Black Metal zwischen Dichte, Emotion und Genregrenzen
Das Baphofest in der Würzburger Posthalle ist längst mehr als nur ein weiteres Underground-Konzert. Über die Jahre hat sich die Veranstaltung zu einer festen Institution innerhalb der regionalen – und darüber hinaus auch überregional wahrgenommenen – Black-Metal-Szene entwickelt. Gerade für Hörer*innen, die Black Metal nicht nur als rohe Aggression, sondern als emotionale, atmosphärische Kunstform verstehen, bot der Abend mit Karg und Elende ein nahezu ideales Line-up.
Karg – Post-Black Metal als emotionales Klanggeflecht












Den Anfang machten Karg, ursprünglich als Solo-Projekt des Österreichers Michael Kogler gegründet, der vielen auch als Mitglied von Harakiri for the Sky bekannt sein dürfte. Diese Verbindung zeigt sich auch im Sound der Band. Kargs musikalische Wurzeln liegen zwar klar im Black Metal, doch schon früh öffnete sich das Projekt starken Einflüssen aus Post-Hardcore und Post-Metal. Am treffendsten lässt sich der Stil daher als Post-Black Metal oder atmosphärischer Black Metal beschreiben.
Live zeigte sich dieser Stilmix in beeindruckender Konsequenz. Klassische Black-Metal-Passagen wechselten sich mit ruhigen, fast schwebenden Post-Metal-Abschnitten ab. Besonders auffällig war dabei der Gesang, der nicht ausschließlich auf das genretypische hohe Keifen setzte, sondern stellenweise deutlich hardcore-nah klang und so zusätzliche emotionale Tiefe erzeugte.
Durch den Einsatz von gleich drei Gitarren entstand ein enorm dichtes Klangbild, das die Posthalle komplett ausfüllte. Unterstützt wurde das Ganze zeitweise von der Geigerin Klara Bachmaier von Firtan, deren flächige, melancholische Linien den ohnehin schon intensiven Sound noch weiter verdichteten. Das Ergebnis war ein Konzert, das weniger auf reine Wucht, sondern vielmehr auf einen atmosphärischen Klangteppich setzte.
Ellende – klassischer Look, moderner, emotionaler Sound
















Ellende sah zunächst optisch deutlich mehr nach klassischen Black Metal aus. Corpse Paint, düstere Präsenz und eine klarere Nähe zum traditionellen Black Metal bestimmten den ersten Eindruck auf der Bühne. Hinter Ellende steht Lukas Grosch, der das Solo-Projekt 2011 im österreichischen Graz gründete.
Nicht nur optisch, sondern auch klanglich bewegte sich Ellende zwar näher am klassischen Black Metal als Karg, blieb aber ebenso stark im atmosphärischen Bereich verankert. Auch hier dominierte nicht blinde Raserei, sondern eine dichte, emotionale Grundstimmung. Besonders positiv fiel der außergewöhnlich gute Sound auf, bei dem vor allem auch der Bass deutlich hörbar und präsent war. Ein Detail, das im Metal-Kontext leider viel zu oft im Mix untergeht. Hier trug der gut hörbare Bass aber maßgeblich zur Tiefe des Gesamtklangs bei.
Sehr gelungen waren zudem die langen, ruhigen instrumentalen Passagen, die Raum zum Atmen ließen und die Spannung langsam aufbauten. Ein weiteres Highlight stellten die zahlreichen Gitarrensoli dar, die stellenweise stark an klassischen Heavy Metal erinnerten und dem Sound eine fast epische Note verliehen. Ein kleiner, sympathischer Kontrastmoment entstand gleich zu Beginn des Sets, als das Licht überraschend bunt und beinahe discohaft ausfiel. Genauso wie schon bei Karg wurde auch Ellende zeitweise von Klara Bachmair an der Geige unterstützt, die auch hier wieder für eine erfreulich zarte Klangnote sorgte.
Fazit
Insgesamt überzeugten Karg und Ellende nicht nur musikalisch, sondern das Baphofest auch organisatorisch auf ganzer Linie. Die Posthalle punktete mit reibungslosem Ablauf und einem durchgehend sehr guten Sound, der beiden Bands perfekt gerecht wurde. Sowohl Karg als auch Elende zeigten eindrucksvoll, wie vielseitig, emotional und atmosphärisch moderner Black Metal sein kann. Gerade dann, wenn er den Mut hat, Genregrenzen zu überschreiten.
Karg: Bandcamp / Instagram / Facebook / Spotify
Ellende: Homepage / Bandcamp / Instagram / Facebook / Spotify
Bildquellen
- Karg_Tobias Epple – 2: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 5: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 4: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 3: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 1: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 6: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 7: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 9: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 11: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 10: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 8: Credit: Tobias Epple
- Karg_Tobias Epple – 12: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 1: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 2: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 3: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 4: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 5: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 6: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 7: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 8: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 9: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 14: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 10: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 11: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 12: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 13: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 15: Credit: Tobias Epple
- Ellende_Tobias Epple – 16: Credit: Tobias Epple
