Die vierköpfige Band AMSEL aus Würzburg macht feinfühligen Alternative Pop. Ich entlockte Sängerin Amelie Tenzler im 5 Fragen an Interview spannende Hintergrundinformationen zu ihrer ersten EP ‚Lifelines‘. Musikalisch wird sie unterstützt von Ehemann Christian Tenzler an den Keys, Sebastian Reichl an der Gitarre und Alex Theumer am Bass. Die EP ist Christians erstes Werk als Produzent. Mit eingängigen Singersongwriter-Melodien, lyrisch tiefsinnigen Texten und einem atmosphärischen Sound schafft die Band Musik, die berührt, ohne laut zu werden. Auch live sorgt AMSEL für mitreißende Momente, die einem ermöglichen, dem Alltag zu entfliehen.
Was steckt hinter eurem EP-Namen ‚Lifelines‘?
Das Songwriting der EP ist stark von meiner eigenen Lebenslinie geprägt. Die Abfolge der Songs stellt die von Depression gezeichneten letzten Jahre meines Lebens dar. Ausgehend von ‚Low Maintenance‘ steigt ‚Lifelines‘ mit ‚F-Minor‘ hinab in die Tiefe, setzt sich durch ‚Forest Feeling‘ langsam wieder zusammen, bettet sich ein in ‚Held and Led‘ und blickt mit ‚Happiness‘ vorsichtig in die Zukunft. So entstand der Name ‚Lifelines‘. Durch das Teilen meiner Lebenslinie hoffe ich, dass sich auch andere wieder finden können.
Wie verlief deine musikalische Reise bis hin zur Veröffentlichung der EP?
Ich hatte Instrumental- und Gesangsunterricht als Jugendliche und habe nebenher immer irgendwas mit Musik gemacht, sei es im Schultheater, in Chören oder in Musicals über eine Kirchengemeinde. Kurz vor dem Schulabschluss hatte ich auch eine Schulband, mit der ich zum ersten Mal meine damaligen Songs performt habe. Nachdem sie sich nach 3 Jahren aufgelöste, gab es erstmal nicht mehr so viele Möglichkeiten, meine eigene Musik aufzuführen oder besser gesagt, habe ich mich nicht getraut. In der Zeit war ich leider auch schon recht krank. Dann habe ich angefangen Mathematik zu studieren und habe für die Uni Bigband Bayreuth vorgesungen. Dort habe ich Christian kennengelernt, der Klavier in der Bigband gespielt hat. Bis der Mut dann über die Jahre immer weiterwachsen konnte, es mit der eigenen Musik wirklich anzugehen, haben wir zusammen auf Hochzeiten und ähnlichen Events performt.
Ich schreibe seit mehr als 10 Jahren Songs, um damit Erlebtes und meine große Gefühlswelt zu verarbeiten. Als Christian und ich uns 2017 kennenlernten und begannen gemeinsam Musik zu machen, entstand ‚Low Maintenance‘ und damit die Idee eines Albums. In den darauffolgenden Jahren hatte ich mehr und mehr mit der Depression zu kämpfen und wir konzentrierten uns eher auf meine Genesung. In dieser langen Phase entstanden weitere Songs, wie F-Minor und Forest Feeling. Als die harte Zeit überstanden war, veranstalteten wir 2022 ein Wohnzimmerkonzert, an dem wir die Songs zum ersten Mal gemeinsam aufführten. Damals stießen Alex und Sebastian zu uns. Wir gründeten das Bandprojekt AMSEL, um sofort die gemeinsame Arbeit an unserer musikalischen Vision zu starten und an der ersten EP zu arbeiten. Die Entstehung von ‚Lifelines‘ liegt also eigentlich schon lange zurück, wobei die tatsächliche Produktion etwa 9 Monate dauerte.
Der letzte Song auf eurer Platte heißt ‚Happiness‘. Was macht euch glücklich?
Wir haben uns schon oft gewundert, wie viele Sterne eigentlich richtig stehen müssen, damit eine Band sich überhaupt zusammenfinden kann. Wir sind sehr glücklich, gemeinsam Musik zu machen und von so lieben Menschen auf dieser Reise unterstützt zu werden. ‚Happiness‘ erzählt von den Momenten, in denen die Glücksgefühle durch Heilung und Verwirklichung immer öfter aufkamen. Jedoch zeigt der Song auch, dass Freude fragil sein kann und man lernen muss, ihr zu trauen, vor allem, wenn man sie noch nicht lange kennt.
Welche Bands oder Musiker haben euren Sound am meisten geprägt und was macht ihn unverwechselbar?
Musikalisch kommen wir alle aus unterschiedlichen Richtungen und haben große Freude daran, genau das in die Ausarbeitung der Songs miteinzubeziehen. Für den Gesamtsound der EP waren definitiv Artists wie Foals, London Grammar oder Nick Leng prägend. Die größte harmonische Inspiration für mein Songwriting geht aber tatsächlich auf eine Band zurück. Die Beatles haben seit Beginn meines Schreibens Akkordfolgen, Mehrklang und die Freude daran, eine Songstruktur einfach fließen zu lassen, am meisten geprägt.
Unser Sound wird wahrscheinlich gerade durch den Einfluss verschiedener Genres unverwechselbar. Auch wenn wir versucht haben, der EP ein Gesamtkonzept zu geben, hat jeder Song einen sehr eigenen Charakter. Gefühlt decken wir von Rock-Balladen über Filmmusik bis hin zu Dance-Elementen eine große Bandbreite ab. Das Interessante dabei ist, dass alle Songs im Singer-Songwriter Genre verwurzelt bleiben. Die Texte und Musik, die ich mitbringe, denken wir als Band gemeinsam weiter.
Wo seht ihr euch musikalisch in drei Jahren?
Wir sind gedanklich auf jeden Fall schon bei den kommenden Projekten. Im nächsten Jahr möchten wir gerne zwei bis drei Singles herausbringen. Die Songs, die wir in ‚Lifelines‘ präsentieren, sind glücklicherweise nur ein Bruchteil meines bestehenden Repertoires. Wir können uns definitiv vorstellen, in drei Jahren vielleicht sogar ein Album zu releasen. Da wir es aber lieben, live zu performen, möchten wir bis dahin definitiv weiter an unserem Live-Konzept arbeiten und mit unserer Musik noch viel rumkommen.
Mehr Infos zu Amsel: Instagram – Homepage – Spotify
Titelbild: Christian Tenzler
