Durchgehört // Up Close von Sultans Court

Up Close sultans court WP

Mit Up Close liefern Sultans Court ihre zweite EP ab und nehmen uns mit ihrem psychedelischen Elektro-Indie-Pop Klängen mit auf eine Reise. Eine Reise, auf die wir uns schon lange gefreut haben. Mit unserem Durchgehört Feature bieten wir den Wahlberlinern die passende Bühne, um Song für Song darzulegen, was sich hinter jedem dieser Schmuckstücke verbirgt. Mach euch beim Anhören von Up Close darauf gefasst, das eure Sinne erweitert werden und ihr nach nur 5 Songs direkt auf Repeat drücken werdet.

Die Entstehungsgeschichte von Up Close oder Sultans Court und ihr Weg zum Ziel

Der Startpunkt war im Sommer 2019, als wir begannen Good Enough zu schreiben. Während Good Enough, Sublime und vollständig in Berlin entstanden, schrieben wir Warning Signs, Running und erste Ideen von Run Over im Elternhaus von Markus im Weserbergland umgeben von Wald und Natur. Die meisten Tracks wurden dann während des Corona Lockdowns fertiggestellt.

Dieses Mal mussten wir uns viel im digitalen Raum beratschlagen und Feedback austauschen. Da wir uns alle aber mittlerweile gut kennen, gab es kaum Missverständnisse. Es war sehr schwierig durch den Lockdown auch mal Abstand zu den Tracks zu bekommen, denn Konstantin (Gitarrist / Produzent) und Julius (Sänger / Produzent) haben sich gemeinsam in Quarantäne begeben, um das Werk zu finalisieren. So entstand die EP wieder durch sehr enge, intensive Zusammenarbeit.

Durch unser neues Studio konnten wir Drums selbst aufnehmen und unser Equipment auf das wir zurückgreifen können ist gewachsen. Unter Anderem haben wir unser Synthesizer Arsenal vergrößert und einen E-Bass angeschafft. Weiterhin hatten wir die Möglichkeit viele der Tracks Live auszuprobieren, bevor wir diese im Studio fertiggestellt haben.

Alles wieder im Gleichgewicht mit UP Close

Als wir uns dazu entschieden unsere beiden EPs auf eine Vinyl pressen zu lassen, entstand der Gedanke auf den Namen unserer ersten EP FROM AFAR einzugehen. UP CLOSE bildet zusammen mit FROM AFAR eine Art Yin & Yang und markiert, dass einige Ideen noch aus der Zeit der ersten EP stammen. Zudem erzählt der Name gleichzeitig wie sich unser Mindset zum Songwriting durch die Erfahrungen der ersten EP gewandelt hat; wir wollten persönlicher und intimer werden, näher an uns dran. Genauer in uns hineinsehen. „Näher dran“ eben. Distanz war für uns während des Entwicklungsprozesses beider EPs ein immer wiederkehrendes Thema – sich in kleinsten Details zu verlieren, aber auch alles mit Abstand zu betrachten, um zu verstehen, was man dort produziert hat. Wir wollten beides im selben Maße praktizieren, um so ein Gleichgewicht zu behalten.

Hört es mit uns durch: Up Close von Sultans Court

Good Enough

Die Welt rennt und man selbst kommt einfach nicht mehr hinterher. Wenn dieses Gefühl irgendwann besonders gegenwärtig ist, dann heute. Produktivität und Selbstdarstellung gehen Hand in Hand durch Influencer*innenprofile, die Nachrichten gleichen einem Tsunami an Informationen und wir sitzen Zuhause und werden davon überrollt. Überrollt von „nicht genug geschafft“, von Vergleichen mit Fremden in einer digitalen Welt, von zu viel Geschwindigkeit in den Dingen. Der Überforderung zu entfliehen kann beinahe nur gelingen, indem man zu sich selbst zurückkehrt und der Ruhe ihren Raum einräumt.

nicht jeder Tag muss produktiv sein, nicht immer muss in Superlativen gedacht werden – manchmal ist es einfach gut. Gut genug.

Unser Song Good Enough ist ein Reminder an genau das: Sich trotz der schnellen Welt immer wieder auf sich zu besinnen. Entstanden aus einer Schreibblockade zeigt der Track uns, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen, sich selbst zuzuhören.„You’ve been running in circles knowing too much.“ Nicht alle News müssen geschaut werden, nicht jeder Tag muss produktiv sein, nicht immer muss in Superlativen gedacht werden – manchmal ist es einfach gut. Gut genug.

Soundtechnisch kann man sich den Song gut in Ebenen vorstellen. Ausgangspunkt bildet ein Demo von Sänger Julius, aus dem nur der Drumbeat übrig geblieben ist. Darauf bauen analoge und elektronische Klänge und die für uns typischen Gitarrenriffs auf. Mehrstimmiger Gesang und eine Art Chor im Refrain geben dem Track Volumen und Sirenensounds machen das sphärische Klangerlebnis besonders. Das alles wird vom Gesang zusammengehalten, der den Song trägt und so die einzelnen Elemente miteinander verbindet.

Ziel war es eine packende Atmosphäre zu erschaffen, welche zugleich eingängig daherkommt.Im Vergleich zu unserer ersten EP kommt dieser Track weniger düster daher. Überwiegend leichtes Gefühl und der funky Refrain implizieren einen angenehmen Optimismus gegenüber der dargestellten Thematik.

Running

Wir haben den Song über Sylvester 2019-2020 geschrieben. Ein letztes Mal haben wir uns in das Weserbergland zurückgezogen, da wir noch einen Song für die EP brauchten. Diesmal nahmen wir uns ganze 7 Tage, um sichergehen zu können, dass wir etwas kreieren werden. Das klingt jedoch einfacher als gedacht.

Wir waren alle sehr müde von einem spannenden Jahr und es war schwer den besonderen Funken aufspringen zu lassen. Tagelang haben wir alle möglichen Sachen ausprobiert und nichts funktionierte. Je länger dieser Zustand anhielt, desto mehr stieg der Druck in der Gruppe, da es eine große Enttäuschung gewesen wäre ohne einen neuen Song zurück nach Berlin zu fahren. Am letzten Tag vor der Abfahrt fanden wir schließlich dieses Flöten Sample in den Tiefen des Internets. Endlich sprang die Kreativität an und auf einmal lief alles wie geschmiert.

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Am Ende hatten wir es also im allerletzten Moment geschafft einen Song mit unseren letzten Reserven herauszukitzeln. Dieser gefiel dann zum Glück auch allen so gut, das man sich entschied ihn als Single zu nutzen. Finalisiert wurde der Song dann im Quarantäne Home-Studio.

In einem Kapitalistischen System, in dem es nur noch um Selbstoptimierung und die Optimierung des Systems geht, plädieren wir für die Langsamkeit.

Der Text des Songs versucht das Gefühl zu beschreiben, allem nur noch hinterher zu hecheln und dass alles viel zu schnell an einem vorbeirauscht. Man bekommt den Eindruck zu langsam zu sein und wünscht sich die Welt würde nur für einen selbst mal eine Pause einlegen. In einem Kapitalistischen System, in dem es nur noch um Selbstoptimierung und die Optimierung des Systems geht, plädieren wir für die Langsamkeit. Warum muss alles so schnell gehen? Den Weg mit allen Sinnen wahrzunehmen ist doch erst etwas Lebenswertes. Inspiriert waren wir durch Hartmund Rosa und Henry David Thoreau.


Auf klanglicher Ebene wollten wir unseren gewohnten Sound mit Trap verschmelzen. Das merkt man an dem Drumbeat und den 808 Bässen. Um uns treu zu bleiben, finden sich Gitarren im Song wider, sowie unsere gern benutzten Klang Ebenen aus Synthesizern und atmosphärischen Sound Schnipseln. Hinzu kommt die einprägsame Flöten Melodie. Ungewohnt für uns ist das hin und her Springen zwischen Dur (Refrain) und Moll (Strophe), dadurch schwingt der Song ambivalent zwischen sommerlicher Leichtigkeit und gewohnt Düsterem hin und her.

Alle anderen Songs in unserem Katalog sind ausschließlich in Moll, was unsere oftmals düstere Grundstimmung in der Musik erklärt. Wir wollten außerdem einen Song, der den Zuhörer auf eine Reise mitnimmt und somit ist viel Detailarbeit in die Bewegung und dem Zusammenspiel der einzelnen Klangebenen geflossen.

Warning Signs

Warning Signs ist ein Song den wir innerhalb der Band sehr lieben. Wenn es um die Live-Umsetzung geht, ist er vielleicht sogar unser Lieblingssong der EP. Warning Signs war der erste Song an dem wir alle vier in einem Raum zusammengearbeitet haben. Der Song ist in unserer ersten Weserbergland Session entstanden. In der neuen Umgebung konnten wir viele neue Prozesse ausprobieren. Es war sehr spannend diesen Song zu schreiben, weil wir unseren Visionen freien Lauf ließen und diese glücklicherweise am Ende alle sehr kohärent zusammen geflossen sind.

…wir wussten aber schon in dem Moment, dass es genau das ist, was gefehlt hatte.

Der Ausgangspunkt war eine Gitarrenmelodie von Konstantin, welche auch ganz zu Beginn des Tracks zu hören ist. Wir hatten von vornherein Lust auf einen sehr langsamen 4 to the floor Track. Der Wendepunkt war die knatternde Bassline, die das Fundament bildet. Diese kam erst relativ spät auf, wir wussten aber schon in dem Moment, dass es genau das ist, was gefehlt hatte. Danach lief alles wie im Fluss und es war sehr leicht Entscheidungen zu treffen, da das Fundament des Songs extrem solide war und eine klare Richtung vorgegeben hatte. Das ist der magische Moment ab dem manchmal dann alles sehr schnell geht.

Tatsächlich haben wir innerhalb eines Wochenendes eine Demo produziert, die dem finalen Track sehr nahe kommt. In Berlin nahmen wir dann nur noch die nötigen kosmetischen Eingriffe vor. Das Thema des Tracks beruht auf den Naturgeräuschen, welche wir direkt vor Ort aufgenommen haben. Später in Berlin fiel uns auf, dass der Track eine Umweltschutz Aura ausstrahlte. 

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Run Over

Es geht um die Situation, wenn man sich nicht traut ehrlich zu sich und seinen Mitmenschen zu sein. Stattdessen verstrickt man sich in Phrasen und wirkt dabei sehr steif, fast wie eine Maschine. Dabei braucht man vielleicht einfach den Richtigen Raum um sich zu öffnen, nämlich Sicherheit und die Möglichkeit sich verletzlich zu zeigen. Die Wahrheit hat sich angestaut wie in einem Gefäß, welches droht “überzulaufen”. Desto mehr sich anstaut, desto steifer wird man.

Der Track wurde während der Lockdown-Zeit fertiggestellt und entsprang aus einer Demo, die uns nicht mehr gefiel. Beim Umschreiben entstand ein völlig neuer Track. Ausgangspunkt bildete dafür die Bassline, die mit den Drums eine Einheit bildet. Uns gefiel die düstere Stimmung der Idee und wir versuchten diese durch den ganzen Track ziehen zu lassen. Dabei war es für uns entscheidend, beim Chorus nicht zu vorhersehbar zu werden. Entgegen der Erwartung, dem Refrain mehr Energie zu geben, fahren wir dort dezent herunter.

Klanglich finden wir hier den Wechsel aus E- und synthesizer Bass spannend. Der sehr heimliche ASMR ähnliche Gesang steht weiterhin im Kontrast mit mit dem wuchtigen Drumbeat. So entsteht eine intime Atmosphäre, die trotzdem voller Energie ist.

Sublime

In dem Song geht es darum sich klein und überwältigt zu fühlen. Das interpretieren wir aber nicht negativ sondern sehen es positiv dieses Gefühl zuzulassen. Vergleichen lässt sich das mit der Betrachtung der Sterne am Nachthimmel. Es ist, wie als würde man rauszoomen und sich selbst von weit weg betrachten. Alle Probleme werden ganz klein und bedeutungslos, was bleibt ist die Freude an der Existenz. 

Diesem Gefühl wollten wir einen Soundtrack verleihen. Eine Hommage an das Sein, eine Liebeserklärung daran, was Musik in uns als Hörer*in auslösen kann. Nicht rational, sondern getragen vom Gefühl und von der Kraft der Musik.Ein introvertierter Track, der gleichzeitig persönliche Erfahrungen spiegelt, ohne konkret zu werden. Nicht alles muss konkret formuliert werden können, um geteilt zu werden. Wir wollten konkret sein und gleichzeitig viel Spielraum für neue Gedanken lassen. 

Der Song ist ein erster Versuch unsere clubbigen Einflüsse zu verarbeiten und mal etwas anderes als den für uns typischen RnB Bounce zu versuchen. Wie gewohnt behalten wir unsere verträumte und melancholische Ader, sind aber diesmal deutlich tanzbarer mit 4 to the floor Kicks und vibrierenden Bässen unterwegs. 

Ursprünglich war der Song ein Demo von Sänger Julius, welches er in sehr kurzer Zeit zusammengeschustert hatte. Als wir im Jahr 2017 unsere ersten Konzerte spielten, fehlte uns noch Material, um überhaupt auf ein 30 minütiges Set zu kommen. So gelangte die Demo in den Kosmos der Band. Der Track ist daher schon seit Jahren im Live-Set dabei, wodurch er viel Zeit hatte, erwachsen zu werden und sich auf der Bühne weiterentwickeln konnte. Dementsprechend hat der Song  eine für uns besondere Entwicklung genommen und jedes Bandmitglied konnte seine Virtuosität dadurch in die endgültige Fassung des Songs einbringen. 

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Die gesamte EP Up Close von Sultans Court auf Spotify

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