Interview // Wolf & Moon

Wolf & Moon
Wolf & Moon - Foto: Ruth Nijebijvank

Stefanie und Dennis de Beurs alias Wolf & Moon machen tagträumerischen Indie-Pop mit Wiedererkennungseffekt, der vor allem Stefs außergewöhnlicher Stimme geschuldet ist. Nicht einmal ein halbes Jahr nach der Geburt ihres Sohnes veröffentlicht das niederländische Duo mit To A Nova Star die erste Singleauskopplung ihres dritten Albums To Get Lost. Die Titel ihrer Alben (Before It Gets Dark, Follow The Signs und To Get Lost) bilden nach eigener Aussage der Band eine Art Trilogie. Das Ehepaar stand bereits in über 12 Ländern auf vier Kontinenten auf der Bühne und hat ein Händchen dafür, das Publikum zu hypnotisieren. Seid also gespannt, wo die Band auf ihrer Albumrelease-Tour diesmal Halt machen wird. Um euch die Zeit bis zur Veröffentlichung von To Get Lost zu versüßen, habe ich ein interessantes Interview mit Wolf & Moon geführt.

Kürzlich wurde die Single To A Nova Star veröffentlicht.
Wie sind die Songs von eurem neuen Album entstanden und was sind die markantesten Unterschiede zum Vorgängeralbum?

Wir haben die neuen Songs zu Hause mit der Akustikgitarre auf der Couch geschrieben. Auf diese Weise konnten wir uns darauf konzentrieren, Songs mit starken Refrains zu schreiben. In der Vergangenheit haben wir oft mehr Wert auf die Strophen als auf die Refrains gelegt. Die Texte schreiben wir eigentlich immer zusammen. Es gibt auch immer wieder mal Songs, die stärker von einer Person initiiert werden und wo jene dann auch das „letzte Wort” hat, aber wir stellen die Songs immer zusammen fertig. Der größte Unterschied zu den Vorgängeralben ist, dass es nicht mehr um unser Nomadenleben und die Reiseanekdoten geht, sondern wir einige ziemlich persönliche und unschöne Schicksalsschläge in den Songs verarbeiten. Es gab eine Anhäufung von negativen Erfahrungen; zwei Fehlgeburten, mehrere enge Freunde, die in die Drogensucht abrutschen, Probleme mit Familienmitgliedern usw. Vieles hat sich über die letzten Jahre gezogen und daher haben wir beim Schreiben immer wieder verarbeitet, was gerade passierte. Aber wir hoffen, dass das Album trotzdem kein deprimierendes Gefühl beim Hörer hinterlässt, sondern dass es den Optimismus bestärkt. Man muss an das Gute glauben, auch wenn gerade alles schiefläuft. Wie sonst soll man überleben und in den nächsten Tag starten? Wir sind geborene Optimisten.

Wie würdet ihr euch gegenseitig beschreiben?

Dennis: Stefs stärkste Charaktereigenschaft ist ihr Lebensdrang. Sie ist ein echter Go-Getter und das bringt die Band voran. Ihr Drive sorgt dafür, dass die Dinge in Gang kommen und wir nicht nur abends auf der Couch sitzen und Filme schauen. Abgesehen davon ist sie eine besondere Sängerin und auf diesem Album zeigen wir ein paar neue Facetten von ihrer Stimme. Wenn wir spontan zu Songs jammen, hat Stef immer Harmonien parat. Stef ist sehr kreativ in den verschiedensten Bereichen; vom Songwriting über die Fotografie bis hin zur Innenarchitektur. Neben der Arbeit liebt sie es auch, die Welt zu bereisen. Ohne würde ihre Seele verkümmern und wenn es nach Stef geht, werden wir niemals mit dem Reisen und Touren aufhören.

Stef: Dennis bringt jeden zum Strahlen. Er ist der Typ, der einfach immer weiß, wie man Leuten ein gutes Gefühl gibt und es gibt niemanden, der ihn nicht mag. In unserer Beziehung und Band ist er auch derjenige, der auf Leute zu geht und Gespräche beginnt. Als er Justin Vernon von Bon Iver am People Festival das erste Mal traf, haben die beiden sich zum Beispiel umarmt, als ob sie sich schon ewig kennen. Außerdem hat er große Freude daran, alle möglichen Programme zu lernen, egal ob es um Design, Video, Audio, Lights usw. geht. Er klemmt sich dann Stunden, Tage oder sogar Wochen dahinter, bis er es draufhat. Davon profitieren wir als Band sehr, da wir vieles allein machen können. Bei unseren Musikvideos zum Beispiel haben wir beide unsere unterschiedlichen Stärken, die sich super ergänzen. Dennis ist für alles, was am Computer passiert, zuständig und da ich auch Fotografin bin, kümmere ich mich um das, was vor und an der Kamera geschieht. 

Auf Instagram schreibt ihr, dass eure Musik klingt wie Ferien in den schwedischen Wäldern. Wo macht ihr am liebsten Urlaub?

Am liebsten machen wir da Urlaub, wo man traumhaft schnorcheln kann. Dennis liest gerne Bücher und braucht Wasser. Wasser zum Schwimmen und Schnorcheln. Die Unterwasserwelt ist so faszinierend und ruhig. Es ist die beste Art, die Natur zu erleben. Stef liebt es am Strand mit den Füssen im Sand Wasserfarben zu malen. Außerdem bereisen wir gerne große Städte in anderen Teilen der Welt, aber oft lässt sich das besser mit einer Tour kombinieren. Es ist sehr inspirierend, durch New York, Melbourne usw. zu laufen. Leute zu beobachten, macht immer Spaß.

Was war euer magischster musikalischer Moment?

Es war magisch, das Publikum von Dinosaur Jr., welches etwa 900 Leute umfasste, zunächst dazu zu bringen, Mucksmäuschen still einer unplugged Songperformance zuzuhören und am Ende alle zum Mitsingen zu animieren. Diese Magie verspürten wir auch in Italien auf einem Festival, wo wir vor einem Meer von Menschen spielten. Soweit das Auge reichte, sah man nur Menschen. Wir finden kleine Gigs auch großartig, aber so eine Erfahrung zu machen, war ganz besonders. 

Inwiefern beeinflusst das Leben in der Großstadt eure Musik?

Ehrlich gesagt gar nicht. Wir haben oft das Gefühl, als wären wir in Berlin ein Fremdkörper mit unserer Musik. Vielleicht kommt es uns nur so vor, aber es scheint, als wäre die Musikrichtung, die wir machen, hier nicht wirklich angesagt oder viel vertreten. Wir genießen das Leben in Berlin und die kulturelle Vielfalt, von der man sich inspirieren lassen kann und zu Hause haben wir unsere kreative Bubble, in der wir uns manchmal tagelang verkriechen. Es ist nicht so sehr die Stadt, sondern viel mehr unser persönliches Leben, welches unser Songwriting antreibt.

Dennis, du hast begonnen, auf Social Media deine Lieblingsbücher vorzustellen. Verarbeitest du gelesene Buchinhalte in euren Lyrics?

Ja, das stimmt! Ich liebe es, Biografien unserer Helden zu lesen oder solche über Menschen, die eine faszinierende Karriere oder einen aufregenden Lebensweg hinter sich haben. Dazu gehören auch Bücher über Jobs und Musk. Aber die Bücher über Künstler sind anders. Es ist großartig zu lesen, wie hart sie arbeiten und dass es oft nicht so sehr um den Moment geht, sondern eher darum, eine Karriere aufzubauen, die ein Leben lang halten kann. Das motiviert. Erfolg ist für uns die Schaffung eines nachhaltigen Lebensstils, in dem wir Musik, Kunst, Videos usw. erstellen können. In unseren Songs greifen wir eher Wörter oder interessante Ideen aus der Musik, die wir hören, auf. Inspirationsquellen sind diesbezüglich zum Beispiel Bob Dylan, Feist oder Kevin Morby.

Mehr Infos zu Wolf & Moon : InstagramFacebookSpotify


Titelbild: Ruth Nijebijvank

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