Interview // Wet Leg

Das britische Indie-Rock-Duo Wet Leg geht bereits vor Veröffentlichung des am 8. April erscheinenden Debütalbums durch die Decke. Der rotzig-rebellische Sound von Leadsängerin Rhian Teasdale (28) und Hester Chambers (27) ist vom Post-Punk inspiriert und sorgt für Tanzlaune. Das Erstlingswerk umfasst 12 Songs, von denen bereits vier Singles inklusive schräger Videos, die teils in Eigenregie gedreht wurden, erschienen sind. Die sprechgesangdominierte erste Single Chaise Longue wurde letzten Sommer zum absoluten Erfolgshit. Im Mai kommen die zwei Insulanerinnen für drei Konzerte nach Deutschland. Während die Musikerinnen sich in Berlin vegane Donuts schmecken haben lassen, führten wir ein Gespräch per Zoom mit ihnen. Das Interview mit Wet Leg enthüllt viel Spannendes und wurde aus dem Englischen übersetzt.

Hat der Bandname Wet Leg eine tiefergehende Bedeutung?

Hester: Der Name entstand bereits vor längerer Zeit aus einem Missverständnis heraus. Wir kamen zurück von einem Urlaub in Schottland. Nach der Landung telefonierte ich mit meiner Mutter und ich erzählte, dass ich einen Jetlag habe, und sie hat lustiger Weise Wet Leg verstanden.

Was macht euer selbstbetiteltes Debütalbum aus?

Rhian: Ein trockener, sarkastischer Humor und unterschwellige Ironie durchziehen das Album. Immer wieder dringt aber auch das Traurige in den Songs durch. Aber selbst in den traurigsten Dingen kann man Komik finden.

Was sind eure Lieblingssongs auf dem Album?

Rhian: Ich mag Convincing sehr, es ist der einzige Song auf dem Album, bei dem Hesters wunderschöne Stimme im Vordergrund steht. Wenn ich an den Song denke, bin ich gespannt darauf, wie unser zweites Album klingen könnte. Unsere Liveversion von Convincing ist wirklich cool. Unsere Live- und Albumversionen weichen oft deutlich voneinander ab.

Hester: Ich liebe alle Songs, aber mein absoluter Lieblingssong ist Oh No. Der Song ist härter als unsere anderen Stücke.

Eure Band wurde 2019 gegründet. Hatte die Pandemie einen großen Einfluss auf euer Debütalbum?

Rhian: Einige Songs haben wir während des Lockdowns geschrieben, die anderen davor. Inhaltlich ist kein Song direkt beeinflusst von der Pandemie. Unsere Vollzeitjobs kamen während Corona eine Zeit lang zum Stillstand. Vorher haben wir sehr hart gearbeitet und es blieb kaum Zeit für andere Dinge. Der Lockdown gab uns mehr Zeit und Raum. Die Tatsache, Musik zu machen und Musikvideos zu drehen, war in Zeiten der Pandemie wirklich erleichternd für uns. Es half gegen die Unsicherheit nicht zu wissen, was in der Welt da gerade genau passiert. Die Musik war ein guter Zeitvertreib und wir konnten auf andere Gedanken kommen.

Was habt ihr vor der Bandgründung beruflich gemacht?

Rhian: Ich war Freiberuflerin und arbeitete als Assistentin in der Garderobe im Bereich der Fernsehwerbung. Es ging meist um langweilige Werbespots.

Hester: Ich bin Juwelierin. Das heißt, ich kreiere und repariere Schmuck. Unsere goldenen Bandketten habe auch ich gemacht. An der einen Kette hängt ein Anhänger mit dem Schriftzug Wet und an der anderen baumelt das Pendant Leg. Ich habe eine eigene Kollektion, promote sie aber nicht online.

Wie wäre es mit einer Wet Leg Kollektion?

Rhian: Das wäre großartig, aber Hester macht alles per Hand und es dauert viele Stunden, bis ein Schmuckstück fertig ist. Wir sind auch für das Design der Kleider im Video Chaise Longue verantwortlich und jene von Wet Dream haben wir mit dem Stylisten entworfen, für den ich früher gearbeitet habe. Die Kostüme von Oh No stammen von einem alten Job.

Schreibt ihr eure Texte gemeinsam?

Rhian: Mal schreiben wir zu zweit, mal jeder für sich allein oder auch im Beisein der Band.

Ihr stammt beide von der Isle of Wight. Wie würdet ihr das Leben dort beschreiben?

Hester: Rhian wohnt aktuell in London, aber ich lebe noch auf der Insel. Das Leben ist dort ruhiger und langsamer. Die Menschen sind entspannter. Ich denke, viele Inseln haben diese Entschleunigung gemein. Im Sommer sind wir viel draußen in der Natur.

Rhian: Unsere Musikvideos geben Einblicke in die herrliche Natur der Isle of Wight.

Ihr seid auf TikTok ziemlich erfolgreich. Was ist eure Einstellung zu sozialen Medien?

Rhian: Sie sind nicht der Lieblingsaspekt unseres Banddaseins.

Habt ihr eine Message an all die, deren Idole ihr jetzt seid?

Rhian: Sie sollen auch eine Band gründen. Ob jemand Talent hat, ist sehr subjektiv. Ich konnte eigentlich zunächst auch kein Instrument spielen, außer ein bisschen Klavier. Gitarre zu spielen, habe ich etwa vor drei Jahren gelernt, um die Band mit Hester gründen zu können. Wenn ich an meine Grenzen kam, hat Hester mich immer wieder dazu ermutigt weiterzumachen. Es war eine großartige Erfahrung.

Hester: Auch das Skateboardfahren haben wir erst erlernt. Das war äußerst befreiend für uns. Du musst dir selbst nur eine Chance geben, dann sind dir keine Grenzen gesetzt.

Rhian: Ab einem gewissen Alter hat man Hemmungen, etwas Neues auszuprobieren und zu erlernen. Wir haben diese Art der Selbstzweifel überwunden.

Ihr hattet schon andere Musikprojekte. Welche Musik habt ihr vor Wet Leg gemacht?

Rhian: Wir haben Folk gemacht. Hester war auch mal in einer Hip-Hop-Band. Auf Sommerfestivals haben wir mit verschiedenen Bands gespielt und das hat uns gezeigt, dass wir laute Gitarrenmusik machen wollen.

Was sind aktuell eure Lieblingskünstler?

Hester: Ich mag Big Thief sehr. Ich habe sie ein paar Mal live gesehen.

Rhian: Ok Kaya ist wirklich cool. Sie macht exzellente DIY-Musikvideos.

Hat der Brexit auf euch als Band einen Einfluss?

Rhian: In Hinblick auf das Touren ist der Brexit etwas nervtötend, aber glücklicher Weise haben wir ein brillantes Team um uns herum, das alles managt. Für andere Bands, die keinen Support vom Label haben, ist es jetzt sehr viel schwieriger, auf Tour zu gehen.

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Titelbild: Hollie Fernando

Geschrieben von:
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