Review // Herzberg Festival 2026

Review // Herzberg Festival 2026
Herzberg Festival - Foto: Corinna Dietrich

Das Herzberg Festival 2026 stand unter dem Motto Eternal Love und als erfahrene Festivalbesucherin kann ich euch versichern, dass im osthessischen Hippie Heaven jedes Jahr aufs Neue eine Menge Liebe in der Luft liegt.

Rahmenprogramm

Vielleicht gerade, weil ich mich in diesem Jahr musikalisch ohne Vorabplan treiben ließ, habe ich einen sehr abwechslungsreichen Festivalsonntag verbracht. Vor Beginn des Musikprogramms haben wir uns zu dritt zunächst auf eine ausgiebige Entdeckungsreise begeben. Auf dem Gelände sind wir beispielsweise auf das Festival-Postamt mit künstlerisch gestalteten Postkarten, die man vor dem Versenden mit Stickern und Filzstiften verzieren konnte, gestoßen. Im Reggae Cafe konnte man nicht nur ausgefallene Cocktails trinken, sondern auch Yoga zu Dub-Klängen machen.

Auch in diesem Jahr gab es wieder eine Vielzahl an spannenden Workshops, Kreativangeboten, Lesungen und Vorträgen für Jung und Alt. Vom Färben mit Pflanzen und Steindruck über Acroyoga und Löten bis hin zur Wissensvermittlung zu Themen wie Geomantie, Psychedelika sowie Fliegenpilzen war viel geboten. Kinder konnten zum Beispiel mit Stelzen laufen, Götteraugen basteln, Seidentücher bemalen oder Buttons herstellen. Riesenseifenblasen und Diabolo durften nicht fehlen.

Der Inner Garden eröffnete den Besuchern die Möglichkeit sich eine kleine Auszeit zu gönnen – bei Heilölmassagen, Meditationen oder Ähnlichem. Auch wir haben hier zwischendurch eine Pause eingelegt und an einer Kakaozeremonie mit einer brasilianischen Kakaoexpertin teilgenommen. Der ungesüßte Trinkkakao war sehr energetisierend. Außerdem gab es eine trampolinartige Installation, auf der man liegend meditativen Klängen lauschen und deren Schwingungen man spüren konnte. Für Entspannung sorgte auch das gemütliche Lesezelt mit Bücherschränkchen.

Neben vielen abwechslungsreichen Verkaufsständen mit Kunsthandwerk, Accessoires, Kleidung und vielem mehr warteten wie gewohnt zwei Tauschzelte auf die Besucher. Die kunterbunten, individuell gestalteten Wohnwagen und der Bollerwagen mit Gratisleckereien haben der Festivalfamilie den Tag ebenfalls versüßt.

Der absolute Renner der Festivaledition 2026 waren federnde, gelbe Ansteck-Badeenten, die so manche Hutbedeckung zierten. Meine Top 3 der gelungenen Festivaloutfits gingen in diesem Jahr allesamt an männliche Festivalbesucher. Unschlagbar fand ich den etwa 15-jährigen Teenager mit Regenbogen-Irokesen und auffälligen Papageienohrringen, der eine Echse an einer Schnur hinter sich herzog. Ein anderer junger Mann trug ein schwarz-weißes Dienstmädchen-Outfit inklusive Schürze und dazu einen Hut mit Hasenohren. Einfallsreich war auch die Kombination aus einem pinken Elefantenhut mit großen Ohren, Stoßzähnen sowie Rüssel und einem psychedelisch bunten T-Shirt mit einem Riesenauge auf der Brust.

Musikprogramm

Zusätzlich zu den Line-up-Konzerten auf den fünf Hauptbühnen gab es an vielen Ecken weitere Auftritte so zum Beispiel auf der Open Stage am Coffee-Shop. Unser musikalisches Programm startete mit einem Gig der eigens für das Festival formierten Schweizer Band Dead Caravan. Die Grateful Dead Coverband heizte den Zuschauern auf einer improvisierten Bühne in einem Pavillon zwischen Wohnwagen ein und animierte sie bei Fire On The Mountain zum Mitsingen.

Die erste offizielle Band, der wir begeistert zuhörten, war die schwedische Band Hooffoot. Sie rockte die Freakstage als sechsköpfige Formation mit Bass, Gitarre, Keyboard, Orgel, Schlagzeug und Percussion. Die Instrumentalband aus Malmö mischt Krautrock-, Progrock-, Jazz- und Folk-Elemente. Für ausgelassene Tanzstimmung im Publikum sorgte vor allem der Song Liisa von ihrem aktuellen dritten Studioalbum. Die sphärischen Wah-Wah-Effekte haben mich überzeugt.

Die Mars Mushrooms sind auch nach 25 Jahren Bandgeschichte alles andere als steife Franken. Ich habe das Didgeridoo der Marsis noch immer im Ohr. Ihr Jamkraut-Sound ist ein improvisierter Mix mit Einflüssen aus Blues, Americana sowie Psychedelic- und Krautrock. Der intergalaktisch-experimentelle Sound hat mir Lust auf das von der Band organisierte Jamkraut Festival nahe Ansbach gemacht.

The Citadel aus Erlangen machen nostalgischen Psychedelic Rock und haben im April bereits ihr zweites Album mit dem Titel Dawns on Mental Highways veröffentlicht. Sängerin Eva Koch wickelte das Publikum der Mentalstage mit rauchig markanter Stimme im Handumdrehen um den Finger. Die tanzende Menge zeigte sich außerdem von der Jack-Daniel‘s-Flasche begeistert, die die junge Frontfrau im langen, fliederfarbenen Hippie-Kleid durch die Reihen gehen ließ.

Tagesheadliner

Der amerikanische Bluesmusiker Walter Trout legte mit seiner fünfköpfigen Band einen mitreißenden Festivalabschluss auf der Freak City Mainstage hin. Das religiös geprägte Stück Looking for the Promised Land stieß auf Resonanz und auch der Song Artificial, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der künstlichen Intelligenz, fand großen Anklang im Publikum. Bei der ursprünglich mit Dee Snider von Twisted Sister veröffentlichten Hymne I’ve Had Enough ließ Trout seiner Frustration über das aktuelle Weltgeschehen freien Lauf. Die weitere Setlist umfasste unter anderem ein Cover von John Lee Hooker.

Zwischen den Songs erzählte der in den Achtzigern bei Canned Heat als Leadgitarrist aktive Musiker persönliche Anekdoten und blickte auf seine bewegte Karriere zurück. Seit 39 Jahren lebt Trout nun ohne Alkohol und Drogen. Nach einer Lebertransplantation im Jahr 2014 musste er das Sprechen, Laufen und Gitarrenspiel neu erlernen.

Während der Vorstellung der Bandmitglieder gegen Ende des Konzerts überließ Trout seinen Musikern Raum für Soli. Teil der Band ist auch sein Sohn Jon, der dieses Jahr sein Masterstudium in Musik erfolgreich abschloss. Das Publikum belohnte den energiegeladenen Auftritt mit riesigem Applaus – sowohl vor als auch nach der Zugabe.

Walter Trout ist im November in Deutschland auf Tour. Das sollten Rock-’n’-Roll Fans auf keinen Fall verpassen.

Wer weitere Eindrücke zum außergewöhnlichen Flowerpower-Festival bekommen möchte, sollte meine anderen Artikel zum Herzberg Festival lesen.

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Titelbild: Corinna Dietrich

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