Interview // Jake Bugg

Jake Bugg

Der sechsundzwanzigjährige Singer-Songwriter hat schon etliche Erfolge gefeiert – und das nicht ohne Grund. Seine Indie-Folk-Musik bewegt sich in einem weiten Spektrum und lieferte uns zuletzt seine neuste Single „Rabbit Hole“, die schon in einem unserer Release-Day-Beiträge vertreten war. Wir haben jetzt ein Interview mit Jake Bugg geführt, den jungen Briten Abstands-gerecht via Zoom getroffen und mit ihm unter anderem über sein nächstes Album, die Zeit zu Hause und Rock am Ring geplaudert.

Wenn du jetzt Songs von deinem ersten Album hörst – Erinnert dich das manchmal an bestimmte Geschichten von früher?

Auf dem ersten Album sind vor allem Geschichten darüber verpackt, wo ich aufgewachsen bin. Und natürlich hat sich seit dem viel verändert, aber jedes Mal, wenn ich auftrete und diese alten Songs spiele, ist es witzig, wie diese Geschichten wieder hochkommen, auch wenn sie so alt sind. Es ist vor allem schön zu sehen, wenn die Leute dann mitsingen – Das ist auch ein merkwürdiges Gefühl.

Wieso hast du dich dazu entschieden, dass „Kiss Like The Sun“ dein erster Release von neuer Solo-Musik nach längerer Zeit sein würde?

Ich fand diesen Song einfach gut, um ihn jetzt zu releasen, weil…Naja, mein letztes Album habe ich in Nashville aufgenommen, was ich auch schon immer machen wollte. Es ist ziemlich Country-mäßig und voller Balladen, also wollte ich dieses Mal mit etwas Schnellem und Fröhlichem starten. Ich habe diesen Song mit Andrew Watt und Ali Tamposi geschrieben und das sind beide tolle Songwriter. Die ganze Situation des Schreib-Prozesses war auch super. Der Song ist sehr schnell entstanden und ich fand, dass das ein schöner Track war, um ihn jetzt für die Fans rauszubringen.

Wie würdest du zusammenfassen, worum es in dem Song geht?

(lacht) Was den Text betrifft, ist das wahrscheinlich nicht gerade der mit der tiefsten Bedeutung hinter der Lyrics. Er ist ein bisschen frech, aber auch unbeschwert. Ich hatte das Gefühl, ich bräuchte das, um einen Kontrast zu meiner bisherigen Musik zu schaffen.

„Saviours of the City“ war dein nächster Release und er passt unglaublich gut zu dem, was im Moment in der Welt los ist. An was hast du damals gedacht, als du ihn geschrieben hast?

Naja, ich denke, vielleicht fühlt man sich die ganze Zeit so – als würde die Welt jetzt untergehen. Also hat der Song eine post-apokalyptische Stimmung und ich fand, mit allem, was im Moment in der Welt passiert, war er jetzt ziemlich geeignet. „Kiss Like The Sun“ ist so unbeschwert, also war es an der Zeit, etwas darüber zu schreiben, wie ich mich fühle – und viele andere Leute wahrscheinlich auch.

Wann hast du die Lyrics geschrieben?

Ich glaube, das war letztes Jahr. Ende des letzten Jahres.

Das Visualiser-Video zu „Saviours of the City“ fängt den Vibe des Liedes auch sehr gut ein. Wie der Fahrradfahrer durch die leeren Londoner Straßen fährt…

Ja – Eine Sache, die ich mit diesem neuen Album erreichen wollte, war, psychedelic/psychedelia-Elemente mit einzubringen, weil ich ein großer Fan von Jefferson Airplane und einigen 60er-Jahre-Bands bin.

Da du ja normalerweise ständig auf Tour bist – Wie ist das für dich, jetzt mal für längere Zeit an einem Ort zu sein?

Ich kann mich ziemlich glücklich schätzen, weil ich Musik habe, die mich von all dem, was los ist, ablenkt. Ich mag es, allein zu sein, bekomme aber normalerweise nicht viel Zeit dazu. Es hat mir also geholfen, kreativ zu bleiben, über Dinge nachzudenken und an Musik und Projekten zu arbeiten, für die ich normalerweise keine Zeit hätte. Es war also ziemlich therapeutisch für mich. Ich bin aber jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich unbedingt wieder live spielen möchte!

Auf welchen der neuen Songs freust du dich am meisten, ihn live zu spielen, sobald das wieder möglich ist?

Vor dem Lockdown haben wir schon ein paar neue Songs gespielt – „Kiss Like The Sun“ zum Beispiel, was live unglaublich Spaß macht. „Rabbit Hole“ haben wir als Opener gespielt, was auch super war. Auch ein paar noch nicht veröffentlichte Balladen waren dabei und es ist toll, die Reaktionen der Zuhörer zu sehen. Bei einem Song kannten sie am Ende sogar den Text, was immer sehr schön ist.

Du hättest dieses Jahr ja auch bei Rock am Ring gespielt. Können wir erwarten, dass du nächstes Jahr dann dabei bist, wenn das Festival wieder stattfinden kann?

Ich würde so gerne wiederkommen. Wir lieben es, in Deutschland zu spielen – vor allem auf solchen Festivals. Das Tolle ist: An einem Wochenende können wir auf einem Country-Blues-Festival spielen und am nächsten auf so einem riesigen Rock-Festival in Deutschland, was großartig ist. Wir lieben es da und ich bin selbst großer Fan von Rock-Musik. Ich finde es auch sehr schade, dass wir dieses Jahr nicht dort spielen konnten, aber hoffentlich im nächsten.

Ich denke, wir fühlen uns alle manchmal, als würden wir gerade einen Kaninchenbau hinabsteigen – vor allem momentan

Erzähl uns ein bisschen über „Rabbit Hole“. Wie ist der Song entstanden?

„Rabbit Hole“ habe ich mit Andrew Wells geschrieben und wir haben ihn in LA in seinem Studio aufgenommen. Wir wollten einfach einen Song schreiben und man steht dann immer vor der Frage, wo man denn anfängt. Zum Glück hatte ich keine Mühe mit dem Riff, das ging ziemlich schnell. Es ist auch kein schwieriges Riff, aber es klang cool, also haben wir es verwendet. Ich habe dann auch erzählt, dass ich diesen psychedelic-Vibe in meine neue Musik einfließen lassen wollte und…naja…Es kam alles sehr einfach zusammen und es hat wirklich Spaß gemacht, den Track zu erschaffen.

Gibt es denn eine Geschichte hinter dem Songtext oder hat er dann einfach zur Melodie gepasst?

Ich habe versucht, diesen Text irgendwie „seltsam“ zu gestalten. Wenn ich mir Jefferson Airplane und Grace Slicks Texte anhöre, geht es da auch oft um zufällige Dinge, die aber dennoch ein Gesamtbild in deiner Vorstellung auftauchen lassen und dich begleiten. Das war etwas, das ich versucht habe, zu erreichen – Einen etwas anderen Text zu schreiben, der aber dennoch im Leben einiger Leute von Bedeutung ist. Ich denke, wir fühlen uns alle manchmal, als würden wir gerade einen Kaninchenbau hinabsteigen – vor allem momentan (lacht).

Wenn du deinen eigenen Kaninchenbau beschreiben müsstest – Wie sähe es da aus?

Um ehrlich zu sein – Mein Leben war die letzten paar Jahre sozusagen ein einziger großer Kaninchenbau, weil man nie wusste, was am nächsten Tag passiert. Also war es ziemlich schön für mich, mal zu Hause zu bleiben und ein wenig Normalität zu erfahren.

Arbeitest du gerade auch von zu Hause aus an neuer Musik?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe hier auch sowas wie meinen Arbeitsplatz mit Mikrophonen und allem. Ich mag es, hier zu schreiben und die Ideen für’s Studio auszuarbeiten. Ich habe zuletzt an Musik für eine Dokumentation gearbeitet, worüber ich aber nicht so viel verraten kann. Es war einfach toll, auch mal an etwas zu arbeiten, das sich in einem Genre bewegt, an das man zuerst nicht denken würde, wenn man an meine Projekte denkt.

Sind deine neuen Songs dann Teil eines neuen Albums?

Ja. Ich bin nicht sicher, wann das Album erscheinen wird, aber ich wollte es dieses Mal nicht wie immer machen, so wie ich es auch mit meinen vorherigen Alben gemacht habe und erst Tracks releasen, wenn alles schon so gut wie fertig ist. Ich wollte nicht, dass meine Fans warten müssen, also habe ich einfach Songs rausgebracht, während ich noch am Schreiben bin. Und dann kommt hoffentlich aus diesen Tracks das Album zusammen. Ich glaube, einige Pop-Künstler machen das heutzutage auf diese Art, aber ich finde es echt gut so.

Du arbeitest momentan ja mit vielen verschiedenen Musikvideos. Wie kommt das? Magst du es, Musikvideos zu machen?

Nein, ich mag es nicht, Musikvideos zu machen, weil ich…naja…die Musik machen will. Aber ich weiß auch, dass ein Musikvideo selbst ein Stück Kunst ist. Die letzten, die ich gemacht habe, sind gemeinsam mit Leuten entstanden, die diese psychedelic-Videos machen, was auch zu dem passt, was ich momentan versuche, zu erreichen. Es gibt keinen kitschigen Dialog, kein Skript. Es sind einfach richtig coole Bilder. Die letzten beiden Videos habe ich wegen des Lockdowns auch selbst gefilmt, was eine neue Erfahrung war und auch ziemlich Spaß gemacht hat, um ehrlich zu sein!

Können wir auf deinem neuen Album mehr Tracks in die Richtung von „Rabbit Hole“ erwarten?

Ja, es wird mehr in diese Richtung gehen. Der nächste Song, den ich release, wird wahrscheinlich der Pop-lastigste des Albums, aber ich habe ein gutes Gefühl bei ihm. Der Track hat auch Gospel-Vibes, was etwas Neues für mich ist. Danach habe ich aber auch noch ein paar Balladen und langsamere Songs. Ich versuche aber, das ganze Album „schneller“ zu gestalten. Es gibt zwei oder drei ruhigere Tracks. Mit den Balladen, die ich schon habe, bin ich sehr zufrieden, aber damit ist dieser Bereich auch abgedeckt.

Wenn es wieder zu live-Shows kommt, bist du ja dann wieder mit der Band unterwegs. Siehst du die Jungs momentan?

Ich treffe meinen Bassisten, weil er in der Nähe wohnt, aber mein Drummer lebt in Japan, also ist das nicht so einfach (lacht). Aber ja, mein Bassist und ich sind eng miteinander und reden viel. Wir freuen uns wirklich darauf, wieder live zu spielen. Wir wollen einfach Musik machen.

Dann bedanken wir uns für das Interview! Hab noch einen schönen Tag!

Ja, die Sonne scheint in London. Ich hoffe, das bleibt auch so. Meistens scheint die Sonne und dann…Regen, Regen, Regen! Naja…Hoffentlich kommen wir bald zurück nach Deutschland. Es ist wirklich schade…Ich möchte einfach live spielen und ich liebe Rock am Ring und Rock im Park. Wir sind immer noch ein bisschen da geblieben, aber meine Erinnerungen an diese Zeit bestehen hauptsächlich aus dem Ping-Pong-Tisch und Alkohol. Ich wünschte aber, ich hätte die Möglichkeit ergriffen, mir ein paar andere Acts anzuschauen. Das Line-Up ist immer toll. Ich denke, nächstes Mal werde ich die Möglichkeit nutzen und mir einige anschauen.

Wir bedanken uns abschließend nochmal für ein wirklich tolles Interview mit Jake und freuen uns sehr auf seine neue Musik!

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Titelfoto: Tusk Creative

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